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Ein
Tiefstapler ist Ralf Thenior nicht. "Das ist wirklich
etwas ganz Besonderes", sagt der Schulschreiber des
Petrinums zu dem "bundesweit ersten und einzigen Projekt
dieser Art"
Als Vermittler und Finanzier ermöglicht das Gladbecker
Literaturbüro NRW, dass der Autor - nicht nur von Jugendbüchern
- mit den beiden Klassen 7f und 9c in wöchentlichen
Doppelstunden bis zum Herbst an einer Gymnasiums-eigenen
Anthologie arbeiten wird. "Als Vorspiel", so der
55-jährige Wahl-Dortmunder aus Harnburg, gab's eine
vorabendliche Lesung aus Gedichten und dem Jugendroman "Greifer".
Dass sein jugendliches Publikum unruhig auf den Stühlen
des VHS-Forums herumrutschte, musste der kernige Lyriker
nicht fürchten. Theniors Poesie ist lakonisch-unverblümt.
Mit einem Tonfall, der sich des öfteren zu hanseatischer
Breite dehnt, und einer Stimme, die auch ohne Mikro den
ganzen Saal erreicht, braucht dieser Dichter nicht die Deckung
des Lesetisches.
"ls' hier Stimmung oder was?" Manchmal beschleunigte
das lockere Parlando gar zu einem derben Rap: "Du Pisser,
du Schweine-Wichser." Nach der Lese-Stunde suchte Ralf
Thenior sein erwachsenes Publikum zu beruhigen: "Die
derben Ausdrücke machen höchstens 2,7 Prozent
des Textes aus - der Rest ist blitzsauberes Deutsch."
Klassische Reimschemata und Versmaße waren dennoch
nicht die Sache dieses Dichters, der längst ergraut
die Vorbilder
"Unwirtlichkeit
unserer Städte"
seiner
frühen Jahre bespöttelte: "Warum sollte ich
mir keinen grünen Schnurrbart stehen lassen?"
- à la Rimbaud - "eine Rotweinflasche in jeder
Hand."
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Den Sammelband seiner Gedichte und Kurzprosa nannte Ralf Thenior
"Einfache Dinge". Einfach ja, aber so haargenau
beobachtet, dass diese Präzision die Bildmacht einer
Großaufnahme gewinnt. Das hat herben Witz. "Die
einen finden es absolut ekelhaft", sagte der Alltagslyriker
zur Vorwarnung, ehe
er "Der Schnupfen" anstimmte - und die Schönheit
des Schniefens besang: "Kleine und große Rotzblasen
/ die vor dem Nasenloch platzen / - ... Myriaden von nadelfeinen
Rotz-Tropfen".
Ernsthafter war der Ton seines Romans "Der Greifer",
letzter Teil einer, wie Ralf Thenior erklärte, "Dortmunder
Trilogie zum Thema Jugendkultur und Illegalität".
Sein 14-jähriger Erzähler flüchtet vor einem
brutalen Mitschüler aus dem Jugendheim und lässt
sich von einem Taschendieb alter Schule anlernen.
Das ist eine Art von Verbrechen, die mich reizt, gestand der
Romancier - und erzählte nach der Vorlesestunde von dem
Rosen-Trick, der ihn als Studenten in New York 15 Dollar gekostet
hatte. "Man muss recherchieren", betonte der Literaturpreisträger
des Ruhrgebiets. Schließlich sei sein Greifer "eine
realistische Geschichte über die Unwirtlichkeit unserer
Städte".
Zwei Jahre investierte er in diesen anspruchsvollsten Roman
seinerTrilogie. Das Schreiben selbst -"drei Seiten täglich
ich habe einen normalen Acht-Stunden-Tag" - erfolgt nach
einem genau austarierten "Drehplan".
Und
der gilt, betonte Ralf Thenior: "Wichtige Stationen sind
darin
markiert; es muss alles stimmen - sonst zerhaut es die Ökonomie
der Geschichte."
Die Grobheiten im "Greifer" sollen nicht Selbstzweck
sein...
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