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Tagungsverlauf
Tagungsverlauf (9.00 – 16.15 Uhr)
9.00 – 10.45 Uhr - 11.00 – 12.30 - 12.30 – 13.30 -
13.30 – 15.20 - 15.40 – 16.15 -
19.30
9.00 – 10.45 Uhr
Auftakt Kreatives Schreiben
mit Gerd Herholz (Gladbeck/Duisburg)
„Schreibspiele wecken Lust darauf, eigene Ausdrucksmöglichkeiten
zu entdecken und sie helfen, Techniken literarischen Handwerks
spielend zu erproben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Gelänge
es, Kreatives Schreiben tatsächlich einmal abzukoppeln von
Selbstdarstellungswahn, kurzschlüssigen Therapieversprechen
und Veröffentlichungsgier, könnte jeder damit und daraus
etwas über sich selbst und das Machen von Literatur lernen.
Kreatives Schreiben erweitert sprachliche Kompetenz. Es ist je
nach Schwierigkeitsgrad, Aufgabenstellung oder Spielform geeignet
für einen anderen Deutschunterricht, für literarische
Geselligkeit in Schreibwerkstätten, aber auch zur Einarbeitung
in literarische Produktionstechniken. Diese auf Erfahrung gegründeten
Behauptungen darf für fromme Lügen nur halten, wer
bereit ist, auch im Bereich von Musik, Malerei oder Film auf
jedes Einüben künstlerischer Wunder zu verzichten.
Vor-Spiele, Proben und Pädagogisches haben ebenso mit einer
Kunstform zu tun wie die gelungenen Meisterwerke selbst.“
Gerd Herholz,
2. philologisches Staatsexamen (Fächer: Deutsch und Psychologie),
wissenschaftlicher Leiter des Literaturbüros Ruhr in Gladbeck.
1984 erschien sein Lyrikband auf- und abgesänge; Autor des
Sachbuches Die Musenkussmischmaschine. 132 Schreibspiele
für
Schulen und Schreibwerkstätten (Essen, 2003); 1998
Herausgeber des Bandes Experiment Wirklichkeit. Renaissance des Erzählens?
14 Poetikvorlesungen und Vorträge. Leitung von Workshops
zum Kreativen Schreiben in der Stadtteilkulturarbeit, in der
Autoren- und Lehrerausbildung und an Universitäten. 2001/2002
initiierte er die ersten deutschen Schulschreiber-Projekte.
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10.45 – 11.00
Uhr: Kaffeepause
11.00 – 12.30 Uhr
Gespräche und Erfahrungsberichte mit den Schulschreibern/Schriftstellern
Barbara Zoschke (Köln) / Ralf Thenior (Dortmund) und den
Schülern und Lehrern
(Auf jeder der beiden Tagungen wird schwerpunktmäßig
nur einer der Schulschreiber seine Erfahrungen vorstellen und
diskutieren; der oder die jeweils andere ist aber anwesend und
am Gespräch beteiligt.)
Ralf Thenior: Das Erschrecken in der Wüste. Aus den Arbeitsbüchern
eines Schulschreibers
„Es ist unabdingbar, dass der Schulschreiber sich ein
Bild von der Erlebniswelt verschafft, dem Erfahrungshorizont,
dem Erkenntnisinteresse und den sprachlichen Möglichkeiten
jener Altersgruppe, die in der Schulklasse vor ihm sitzt und
der er die Lust an der Sprache, die Lust am Schreiben, die Lust
am Text vermitteln soll.
Doch ist „Vermittlung“ ein eher dürres Wort,
klingt auch ein bisschen zu eindimensional vom Lehrer zum Schüler
gedacht, um die Arbeit zu beschreiben, die gefordert ist. Geht
es doch um nicht weniger als Mittel zu finden, die Phantasie
der Schülerinnen und Schüler anzuregen, Situationen
zu erzeugen, in denen es der Klasse Freude macht, sich sprachlich
zu äußern und daraus Texte entstehen zu lassen, mit
denen auch der Ausdruck und die kritische Sprachfähigkeit
der Kinder und Jugendlichen zu wachsen vermag.“
Ralf Thenior,
geboren 1945 in Bad Kudowa/Schlesien; lebt als Lyriker, Erzähler
und Kinderbuchautor in Dortmund. Zahlreiche Auszeichnungen, u.a.
Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis 1993. 2001 war er auf
Einladung des Literaturbüros Ruhrgebiet (Gladbeck) für
ein Jahr am Dorstener Gymnasium Petrinum der erste Schulschreiber
der Republik; 2002 war er dann für vier Monate Schulschreiber
an der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule in Gladbeck. Veröffentlichungen
zuletzt:
Das bulgarische Gefühl (1998), die Osnabrücker Poetik (2000), Ko-Autor beim Kettengedicht Zunge
auf Zunge (2001), Dämonenspiegel.
Gedichte (2003) und der Hörfilm 24 Stunden auf
dem Mekong mit der Band Archaic Pop Stuff (2003).
Barbara Zoschke: Ein Erfahrungsbericht oder: Was kann eine Schriftstellerin,
was eine Deutschlehrerin nicht kann?
„Nach den ersten zwei Stunden, frage ich mich folgerichtig:
Was kann eine Schriftstellerin, was eine Deutschlehrerin nicht
kann? Die Antwort liegt auf Hand: Sie kann schreiben. Das muss
sie und das muss sie vor allem glauben, sonst wäre sie keine
Schriftstellerin mit Veröffentlichungsliste. Denn behaupten
kann man ja vieles. Die Lehrerin mag auch schreiben können,
aber sie tut es im Zweifel als Amateurin und also nicht professionell.
Die Güte ihrer Texte beeinflusst das vielleicht gar nicht,
wohl aber ihre Berufsbezeichnung und dessen Alltag. Kurz: Die
Lehrerin verdient ihren Lebensunterhalt mit Lehren. Die Schriftstellerin
mit Schreiben und - das wird in der Wahrnehmung des Schriftstellerberufs
(zumal, wenn die Leser jugendlich sind) sträflich vernachlässigt
- mit Vorlesen.
Mich darauf zu besinnen, hat mir geholfen das Projekt für
mich - und ich glaube auch für alle anderen - zu einem Erfolg
werden zu lassen. Denn weil ich Autorin bin, gehe ich beim Schreiben
planvoll vor, schließlich hängt nicht weniger als
meine Existenz davon ab.“
Barbara Zoschke,
geboren 1964. Studium der Romanistik und Germanistik in Köln,
Siena und Clermont-Ferrand. 1989 M.A. mit einer Arbeit über „Aspekte
androgynen Schreibens“. Verschiedene Tätigkeiten als
Lektorin und Redakteurin. Seit 1996 freie Kinder- und Jugendbuchautorin, Übersetzerin
und Referentin mit dem Themenschwerpunkt „Kreatives Schreiben“.
Bekannte Buchtitel: Wilma Wolkenschwein (Loewe), Luzie
und das Hochwasser (Patmos), Die Geschichte mit Toni – Bekenntnisse
eines Fußballers (arsEdition). 2002 war sie für das
Literaturbüro Ruhrgebiet Schulschreiberin am Leverkusener
Landrat-Lucas-Gymnasium.
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12.30 – 13.30 Uhr
Mittagspause mit kleinem Imbiss
13.30 – 15.20 Uhr Gesprächsvortrag und Übung mit dem Schriftsteller
und Literaturwissenschaftler Burkhard Spinnen (Münster):
Theorie und Praxis literarischer Werkstätten
„Das Pro und Contra über Sinn und Unsinn von Schreibschulen
wird nie zu einem Ende geführt werden können. Erst
recht nicht, wenn der Disput theoretisch bleibt.
Was vielleicht weiterhilft, sind Bericht und Erfahrungen aus
der Praxis.
Es geht um unvermeidbare Defizite des Deutschunterrichts, um
den Zusammenhang von Schreib- und Sprachfähigkeit, insbesondere
aber darum, wie man die Ziele eines Schreibunterrichts in Schule
(und Universität) bestimmt und wie man Formen entwickelt,
die diesen Zielen angemessen sind.“
Burkhard Spinnen,
geboren am 28.12.1956 in Mönchengladbach; Studium der Germanistik,
Publizistik und Soziologie; Magister 1984, Promotion 1989 mit
einer Arbeit über Kurze Prosa; bis 1995 wissenschaftlicher
Assistent am Germanistischen Institut der Universität Münster,
seitdem freier Schriftsteller; Mitglied im deutschen P.E.N.;
1998 bis 2000 Vertreter einer Professur für Literarische Ästhetik
am Deutschen Literaturinstitut Leipzig; seit 2000 Juror beim
Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt; lebt in Münster,
verheiratet, zwei Söhne.
Literarische Veröffentlichungen
zuletzt:
- Belgische Riesen. Roman. Frankfurt a.M. 2000. (Taschenbuchausgabe:
btb 2002)
- Der schwarze Grat. Die Geschichte des Unternehmers Walter
Lindenmaier aus Laupheim. Frankfurt a.M. 2003.
Auszeichnungen zuletzt u. a.:
Kinderbuch-Bestenliste des „Focus“ August 2000 (Belgische
Riesen); Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 2001;
Caroline-Preis für Essayistik der Stadt Jena 2002; Medienpreis
der Quandt-Stiftung 2003.
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15.20 – 15.40
Uhr
Kaffeepause 15.40 – 16.15
Uhr
Infos und Ausklang
Burkhard Spinnen liest am Abend der Leverkusener Tagung
im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung aus seinem
neuen Buch Der schwarze Grat. Die Geschichte des Unternehmers
Walter Lindenmaier
aus Laupheim.
19.30 Uhr, Spiegelsaal des Schlosses Morsbroich. Eintritt: 4
Euro.
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