Der PoesiePalast Ruhr hat 2011 wieder Salons, diesmal
aber auch Zimmer für Rausch oder Trance und eine Bar
bekommen. Nachdem wir im Kulturhauptstadtjahr 2010
mit unserem Projekt ›Mehr Licht – Die europäische Aufklärung
weitergedacht‹ vor allem über die Rettung und
Abgründe der Vernunft nachgedacht haben, soll es
dieses Jahr kontrapunktisch um ›Dichter und Rausch‹
gehen. Das dionysische, bukolische, erotische, trancehafte
Moment der Poesie steht einmal ganz im Vordergrund.
Bereits die Griechen sprachen von Dichtung
in ›theía manía‹, also in ›göttlicher Raserei‹. Viele
Dichter haben seither im Rausch oder wie im Rausch geschrieben,
ob nun als Gruppen [wie die Surrealisten mit ihrer ›écriture automatique‹ und die Beat Poets] oder
als Einzelautoren, die mit Alkohol, Drogen, mystischen
Grenzerfahrungen oder körperlichen Exzessen experimentierten.
Doch war der Rausch nicht nur Auslöser enthemmten Schreibens, nicht nur Stoff und Thema von
Literaten – im Rausch wurden oft auch die formalen
Grenzen des Schreibens erkundet, wenn es um Erzählweisen,
Wortschöpfung, Grammatik oder Stil ging.
Wir freuen uns sehr, nicht nur erotische Lyrik Südamerikas
zu hören, sondern über Rumi und den Sufismus
auch den Weg der Trance zu gehen. Unterm Säufermond
hören wir Texte von Bukowski, Thomas Gsella und dem
Berliner Thomas Kapielski, erleben Schall und Rausch mit Eva Kurowski, entdecken die ›Fatrasien‹ mittelalterlich absurder Sprachspektakel.
Und ganz ohne Kater geht es dann zurück in den
wunderbar ver- oder entzauberten Alltag mit Gedichten
von Ulla Hahn, Miriam Van hee und Mascha Kaléko.
Gerd Herholz
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Programmheft (pdf)
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