Vorwort
 

Der PoesiePalast Ruhr hat 2009 erneut mehr Zimmer, Salons und Suiten bekommen. Um die zwölf Abende angemessen in unserem kleinen Programmheft beschreiben zu können, muss dieses Vorwort schlicht kurz ausfallen.

Nach dem Finanzcrash des letzten Jahres ist die neoliberale Sprachblase mit lautem Knall geplatzt – obwohl viele schon wieder neue Imponiervokabeln aufpumpen und alte recyceln. Und doch gibt es eine große Neugier auf Sprachkritik und die Sehnsucht nach einer Sprache, die poetisch erhellt, ver- und entzaubert – und eben nicht ideologisch verklärt.

Gar manches lügen zwar auch die Dichter – aber in ihren Lügen schaffen sie Phantasien und Utopien von möglichen, anderen, vielleicht besseren Welten, jedenfalls bieten sie Alternativen zur herrschenden Spracharmut und geistigen Tristesse.

Unsere Gäste erinnern nicht nur – wie Fritz J. Raddatz – an den Geck, Gaukler und das Genie Rilke, sie erinnern auch an den Narren und Weisen Erich Fried, an die Poesie von Geisteskranken oder spiegeln uns unsere eigenen Verrücktheiten wie Georg Kreisler oder Roger Willemsen. Oft helfen sie uns die bestehenden Verhältnisse einfach auszulachen wie Harry Rowohlt 8 Christian Maintz das tun, Nora Gomringer oder unsere jungen Gast-Poeten aus den Niederlanden.

Vielleicht muss man für 2009 einfach einen Titel von ›Ton Steine Scherben‹ variieren: Lacht kaputt, was euch kaputt macht. Wohl wissend, dass man oft genug selbst eine ziemlich lächerliche Figur abgibt. Gerd Herholz