2 ›SPRACH LÖCHERSTERNE‹:
DICHTUNG UND WAHRHEIT VON GEISTESKRANKEN

Herbert Fritsch liest Texte aus der Prinzhorn-Sammlung
 

›Es passen auf die Wirklichkeit unendlich viele Träume, aber nur manche wahren Worte. Man kann aus dem Traum aussteigen wie aus einem Auto, aber zwischen Worten wird man flachgedrückt, man schmilzt und wird Gedicht.‹ Ferenc Jádi Als der Arzt Hans Prinzhorn 1919 in einem Schreiben an die damaligen großen Nervenheilanstalten um Material für seine kunsthistorische Sammlung bat, erreichten ihn zahlreiche Handschriften, die eher zufällig als zusätzliche Dokumente beigelegt worden waren. Neben einfachen Notizen fanden sich Tagebuchaufzeichnungen und Briefe, teils verzweifelte und wütende Bittschriften, die die psychiatrischen Kliniken nie hätten verlassen dürfen. Diese Texte sind nicht nur ein Abbild von Leid und Leben in den Anstalten der Jahrhundertwende, sondern auch ein intimer Ausdruck der Empfindungen und Erlebnisse der inneren Welten der Patienten.

Herbert Fritsch ist ein Grenzgänger auf der Bühne, er lebt Texte radikal. Mit wütender Intensität, flüsternder Eindringlichkeit und beschwörender Sinnlichkeit gewinnen die Gedankengebilde aus den ›Mörderanstalten‹ [Elise Mahler] an Kontur. Fritsch, ›[...] ein Verrückter – anstrengend, besessen und einmalig‹ [David Mouchtar-Samorai], sagt von sich selbst: ›Im Theater ergebe ich mich dem Wahnsinn, aber dann ziehe ich meinen Anzug an, kämme mich und geh´ ordentlich und brav die Straße lang.
Man kann sagen: Ich führe ein Doppelleben.‹ Herbert Fritsch, Jahrgang 1951, ist Schauspieler, Regisseur, Autor, Performer und Medienkünstler, Fotograf und Zeichner mit Wohnsitz in Berlin. Für das Theater Oberhausen inszenierte er zuletzt Molières ›Tartuffe oder Der Betrüger‹ sowie Joe Ortons ›Beute‹. In der aktuellen Spielzeit ist dort unter seiner Regie das Stück ›Pferd frisst Hut‹ zu sehen. Die Texte der Prinzhorn-Sammlung interpretiert er seit mehr als 20 Jahren in Lesungen oder für den Rundfunk. www.hamlet-x.de

 


Foto: Christoph Kniel

Freitag, 11. September 2009, 19.30 Uhr
Theater Oberhausen,
Will-Quadflieg-Platz 1
Eintritt/ Vvk. 6 €;
Kartenreservierung empfohlen
Karten-Tel. 02 08.8 57 81 84 oder unter
www.theater-oberhausen.de