10 CATHERINE FRIED ERINNERT SICH AN ERICH FRIED
›Über kurz oder lang‹: Lesung und Gespräch in englischer und deutscher Sprache

›Ich fand ihn ziemlich klein, ziemlich dick und ziemlich hässlich‹, schreibt Catherine Fried, dritte Ehefrau, über ihren ersten Eindruck von Erich Fried in ihrem Buch ›Über kurz oder lang. Erinnerungen an Erich Fried‹. Dennoch erlag sie seinem heftigen Werben, hatte sie doch erlebt, ›dass auch ein ziemlich kleiner, ziemlich dicker und ziemlich hässlicher Mann attraktiv sein konnte, besonders, wenn er klug und charismatisch und noch dazu freundlich und warmherzig war.‹ Ihre Erinnerungen stellen nicht das umfassende Werk des Dichters in den Vordergrund. Sie werfen einen Blick auf den Ehemann, Vater und Gastgeber Erich, dessen Familie völlig überfüllt war mit Kindern, Halbgeschwistern, Viertelbrüdern, ehemaligen Ehefrauen und natürlich seiner Mutter Nellie. Catherine Fried erzählt aus ihrem Alltag inmitten bekannter Gesichter und völlig fremder Menschen, die sich einquartierten, um zu diskutieren und in Frieds Haus zu bleiben, für ein paar Tage oder ungefragt auf unbestimmte Zeit.
Niemals bitter, dennoch nichts beschönigend, vergisst sie nie die Faszination, die von ihm ausging: ›... auf einmal vereinten sich all seine seltsamen Besonderheiten, der schwere Kopf mit dem kräftigen Kiefer, der kreisrunde Bauch und die gestikulierenden Patschhände zu einer vollkommen überzeugenden, schönen, gar charismatischen Gestalt.‹

Der Abend wird unterstützt vom Wagenbach Verlag [Berlin].

Catherine Boswell Fried [*1936, London] zog zum
Studium der englischen Sprache und Literatur nach Paris,
wo sie mit ihrer künstlerischen Arbeit begann. Sie arbeitet
bis heute als Bildhauerin. In Wien lernte sie Erich Fried
kennen und heiratete ihn 1965.

Maria Neumann vom Theater an der Ruhr ist an diesem Abend erneut Gast des PoesiePalastes und liest die deutsche Übersetzung von Catherine Frieds Erinnerungen.


Foto: Günter Zint


Donnerstag, 5. November 2009, 20.00 Uhr
Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg,
Johannes-Corputius-Platz 1
Eintritt/ Vvk. 5 €;
Kartenreservierung empfohlen
Karten-Tel. 0 20 43. 99 26 44 oder unter
verena.geiger@stadt-gladbeck.de