2007 arbeiteten
wir am Rohbau des PoesiePalastes Ruhr,
einem mobilen Luftschloss für Literaten und Leser. Gäste
wie Gioconda Belli, Roger Willemsen, die Tochter Nicolas
Borns, Katharina Born, oder Jürg Schubiger besuchten
uns unter wechselnden Dächern längs der Ruhr.
2008 bringen
wir Poesie und Publikum erneut zusammen. Und es ist gar nicht so
einfach, widerständiger
Literatur im Alltag [auch des Ruhrgebiets] Raum und
Räume zu geben, nicht einfach für Literaturvermittler
und
Leser, ›aufgezehrt vom Geschwätz‹ [Grünbein],
schon gar
nicht einfach aber für die Dichter selbst.
Rilke schrieb in ›Briefe
an einen jungen Dichter‹: ›Wenn
Ihr Alltag Ihnen arm scheint, klagen Sie ihn nicht an;
klagen Sie sich an, daß Sie nicht Dichter genug sind, seine
Reichtümer zu rufen; denn für den Schaffenden gibt es
keine Armut und keinen armen, gleichgültigen Ort.‹
Kein armer, gleichgültiger Ort: Unseren letztlich nur
virtuellen Prachtbau haben wir auch deshalb PoesiePalast
genannt, weil Poesie im weiten Sinne über das Lyrische
hinaus auf Aufklärung durch Verzauberung aus ist, ebenso
wie auf Bewahrung von Geheimnis in Sprache und
Denken, Bild und Begriff.
Im PoesiePalast interessiert alles, wenn
es nur gut gemacht ist. Junge Dichterinnen wie Nora Bossong, Lydia
Daher und Nora Gomringer präsentieren sich als sprachartistische hungry young women;
Wiglaf Droste 8 das Spardosen-Terzett entdecken uns Peter Hacks
neu – und
Wilhelm Busch. Albert Ostermaier streift – mit dem
Musiker Hans Platzgumer – durch sein lyrisches Werk,
Carl Weissner erinnert an seinen amerikanischen Freund
Charles Bukowski und Durs Grünbein liest aus seiner
Dichtung nicht nur ›Strophen für Übermorgen‹.
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Mit Ernesto Cardenal, Dietmar
Schönherr und Grupo Sal
werfen wir schon den zweiten Blick über den Horizont
hinaus nach Lateinamerika, Literatur und Kabarett vereint
Jochen Malmsheimer mit dem Pianisten Uwe Rössler im
Programm ›Sprechalarm‹. Vielleicht wird im November
Catherine Fried mit mir einen Abend lang Person und Werk
Erich Frieds anhänglich und kritisch zugleich ausleuchten;
mehr dazu dann auf unserer Homepage und über die
Presse. Fried war 1988 gemeinsam mit Peter Rühmkorf
Gast des Literaturbüros Ruhr, unserer – natürlich
ausverkauften – ersten ›Nacht der Literatur‹.
Den beiden widmen
wir deshalb zwanzig Jahre später den PoesiePalast Ruhr
2008 und zitieren standhaft aus Rühmkorfs letztem
Gedichtband ›Paradiesvogelschiß‹: ›Unaufhörlich:
Na was
ist ? Na was wird ? / Kaum geworden, schon wieder /
gewesen.‹ Gerd Herholz
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