Vorwort

Das Literaturbüro Ruhr engagiert sich von jeher für
Poesie, stellt Zeitgenössisches wie Historisches vor.
Den Literaturpreis Ruhr erhielten für ihr lyrisches und oft auch poetisch-episches Werk Ralf Thenior, Barbara Köhler, Marion Poschmann oder Ralf Rothmann.
Bei Festivals, Lesungen und Workshops waren und
sind namhafte Poeten unsere Gäste: H. C. Artmann, Marcel Beyer, Erich Fried, Robert Gernhardt, Lars Gustafsson, Ursula Krechel, Ryszard Krynicki, Friederike Mayröcker, Robert Schindel u. a.
    › Es wird Zeit, daß es Zeit wird‹, schrieb Paul Celan in seinem Gedicht ›Corona‹, und für uns wurde es in der Tat Zeit, endlich einmal der Poesie im engeren und weiteren Sinne eigenen Raum zu geben. Wir können uns einen PoesiePalast als Freistätte für Autoren und Publikum gut vorstellen, zumal unser PoesiePalast wohl ein fragiles Luftschloss bleiben wird, ein literarischer Wanderzirkus unter wechselnden Dächern längs der Ruhr, das Gegenteil also von einem Herren-Haus.
    Unseren letztlich nur virtuellen Prachtbau haben wir PoesiePalast genannt, weil Poesie über das Lyrische hinaus auf Aufklärung durch Verzauberung aus ist und die ›poetische Lizenz‹ hat noch immer für mehr [dichterische] Freiheit abseits aller Normen geworben.
 

 

Wir dürfen also getrost alles Poetische feiern – auch abseits der Lyrik.
    Unsere Absicht ist es, Poesie und Publikum näher zusammenzubringen, kluge und populäre Veranstaltung-en auf die Bühnen zu bringen, ohne populistisch zu werden. Dabei kann Avantgarde ebenso ihren Platz finden wie Poetry Slams, wie Grenzüberschreitung der Lyrik zu anderen Gattungen und Künsten hin oder wie der Versuch, Lyrik als Littérature engagée nicht abzuschreiben.
Der PoesiePalast Ruhr will ab 2007 auch feste Veranstaltungsformate präsentieren; abhängig natürlich von der Zahl der Förderer sowie von einer möglichen Integration in das Projekt Kulturhauptstadt Ruhr.2010.
    Dieses Jahr erinnern wir an den großartigen Nicolas Born [geb. in Duisburg], Roger Willemsen wird mit fulminanten Plädoyers für mehr Poesie werben. Eckenga, Droste 8 Gsella beweisen, dass die Satire [auch im Gedicht] intelligent und gekonnt verspotten kann, was selbst aller Beschreibung spottet. Grosche, Schubiger 8 Wittkamp finden das Poetische in Geschichten und Gedichten für jung gebliebene Kindsköpfe allerlei Alters und Gioconda Belli öffnet den weiblichen Blick über den Horizont hinaus nach Lateinamerika.

Gerd Herholz