Erik Lindner
Terrain
Der Monteur öffnet das Gitter des Aufzugkäfigs
klimpert mit dem Schlüsselbund in seiner Hand
gegen den Magneten im Türpfosten bis der Lift kommt
er zieht die Zügel an, er geht die Treppe rauf, da kommen
Wade und Knie an ihm vorbei, er will zurück geht weiter
steigt hinab und denkt die Kommenden und Gehenden –
er tippt auf ihren Hintern mit einem Blindenstock
als sie fast neben ihm schläft im Gras
das Kind durch den Weiher watet die Bäume weiter hinten
vor der Wiese stehen das Gluckern der Flasche
sie holt eine Decke aus dem Auto und faltet sie auf
macht auf dem Terrain eine Drehung und einen Spagat
dann fällt die Decke vor ihren Fußknöcheln nieder
als bei denselben Bäumen
zu Fuß ein Reiter näher kommt
und mit weit gespreizten Armen
die Pferdeköpfe auseinander hält.
Übersetzung: Gregor Seferens
Erik Lindner wurde am 03. Mai 1968 in Den Haag geboren. Er veröffentlichte seinen ersten Gedichtband „Tramontane“ 1996, danach folgten „Tong en trede“ („Zunge und Stufe“, 2000) und „Tafel“ („Tisch“, 2004). In Frankreich erschien 2007 sein Lyrikband „Terrain“. Lindner war jahrelang als Lehrer an der Gerrit Rietveld Akademie tätig und ist Rezensent der Zeitung „De Groene Amsterdammer“. Als Lyriker ist er häufig Gast auf internationalen Bühnen.
In Zusammenarbeit mit dem niederländischen Literair Productiehuis Wintertuin beschreitet das Literaturbüro Ruhr e.V. im Rahmen der "Grenzliteratur" einen neuen digitalen Weg. Elf Monate lang findet ein Gedichteaustausch statt, Monat für Monat wird jeweils ein Gedicht auf den Websites beider Institutionen in Übersetzung gezeigt. Das Projekt steht unter dem Motto "Stimmenwechsel/ Stemmenwissel", nach der Lyrik-Anthologie "Stimmenwechsel. Poesie längs der Ruhr" (herausgegeben von Gerd Herholz).
www.wintertuin.nl





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