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Modelle Kreativen Schreibens für Schüler und Lehrer (2003)

Das Literaturbüro Ruhrgebiet e.V. (Gladbeck)
lädt Schülerinnen und Schüler (ab der Jahrgangstufe 10) und ihre Lehrerinnen und Lehrer ein zur Tagung


Modelle Kreativen Schreibens für Schüler und Lehrer
Schreibspiele, Erfahrungsaustausch, Kurzvorträge und mehr

Nach den erfolgreichen Schulschreiber-Projekten 2001 und 2002 des Literaturbüros Ruhrgebiet e.V. (Gladbeck) sollen nun die Schulschreiber-Idee und die Einbindung Kreativen Schreibens in den Regel-Unterricht der Schulen weiter vorangetrieben werden.
Beide Tagungen haben ein identisches Programm, finden aber jeweils einmal in der Städtischen Galerie im Rathauspark Gladbeck (Westfalen) und einmal im Leverkusener Schloss Morsbroich (Rheinland) statt, um die Erreichbarkeit der Tagungen für Schüler und Lehrer aus ganz NRW zu gewährleisten.

Neues versuchen wir bei den Tagungen, indem wir

a) Schüler und Lehrer zum gemeinsamen Schreiben und Lernen einladen,
b) die Schriftsteller-Erfahrungen von Ralf Thenior und Barbara Zoschke aus den Schulschreiber-Projekten 2001 und 2002 einbeziehen,
c) einen Schreibspiele-Kenner für den Bereich "Kreatives Schreiben" beteiligen,
d) den Schriftsteller Burkhard Spinnen aus Münster einladen, der einen Ausblick auf die "Theorie und Praxis der literarischen Werkstatt" gibt.

Schriftsteller und Fachleute des Kreativen Schreibens wollen Schüler und Lehrer dabei unterstützen, im alltäglichen Deutschunterricht immer öfter mit Formen des Kreativen Schreibens souverän und selbständig zu arbeiten.
Hierzu bedarf es guter Kenntnisse des Kreativen Schreibens / eines Repertoires von Sprach- und Schreibspielen, um schreibend Fähigkeiten und Fertigkeiten behutsam zu entwickeln.

Schüler und Lehrer werden hoffentlich dazu angeregt,

  • im Prozess des Kreativen Schreibens fächerübergreifend zu arbeiten,
  • bei der Erprobung Kreativen Schreibens Schriftsteller möglichst oft und lange in den Unterricht einzuladen,
  • sich als Multiplikatoren/Spezialisten an Schulen für die Integration des Kreativen Schreibens und der Schriftsteller in den Deutsch-Regelunterricht und in Literatur-AGs einzusetzen.

Tagungsverlauf

9.00-10.45 Uhr
Auftakt Kreatives Schreiben
mit Gerd Herholz (Gladbeck/Duisburg)

"Schreibspiele wecken Lust darauf, eigene Ausdrucksmöglichkeiten zu entdecken und sie helfen, Techniken literarischen Handwerks spielend zu erproben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Gelänge es, Kreatives Schreiben tatsächlich einmal abzukoppeln von Selbstdarstellungswahn, kurzschlüssigen Therapieversprechen und Veröffentlichungsgier, könnte jeder damit und daraus etwas über sich selbst und das Machen von Literatur lernen. Kreatives Schreiben erweitert sprachliche Kompetenz. Es ist je nach Schwierigkeitsgrad, Aufgabenstellung oder Spielform geeignet für einen anderen Deutschunterricht, für literarische Geselligkeit in Schreibwerkstätten, aber auch zur Einarbeitung in literarische Produktionstechniken. Diese auf Erfahrung gegründeten Behauptungen darf für fromme Lügen nur halten, wer bereit ist, auch im Bereich von Musik, Malerei oder Film auf jedes Einüben künstlerischer Wunder zu verzichten. Vor-Spiele, Proben und Pädagogisches haben ebenso mit einer Kunstform zu tun wie die gelungenen Meisterwerke selbst."

Gerd Herholz, 2. philologisches Staatsexamen (Fächer: Deutsch und Psychologie), wissenschaftlicher Leiter des Literaturbüros Ruhr in Gladbeck. 1984 erschien sein Lyrikband auf- und abgesänge; Autor des Sachbuches Die Musenkussmischmaschine. 132 Schreibspiele für Schulen und Schreibwerkstätten (Essen, 2003); 1998 Herausgeber des Bandes Experiment Wirklichkeit. Renaissance des Erzählens? 14 Poetikvorlesungen und Vorträge. Leitung von Workshops zum Kreativen Schreiben in der Stadtteilkulturarbeit, in der Autoren- und Lehrerausbildung und an Universitäten. 2001/2002 initiierte er die ersten deutschen Schulschreiber-Projekte.    

10.45-11.00 Uhr: Kaffeepause

11.00-12.30 Uhr
Gespräche und Erfahrungsberichte mit den Schulschreibern/Schriftstellern Barbara Zoschke (Köln) / Ralf Thenior (Dortmund) und den Schülern und Lehrern
(Auf jeder der beiden Tagungen wird schwerpunktmäßig nur einer der Schulschreiber seine Erfahrungen vorstellen und diskutieren; der oder die jeweils andere ist aber anwesend und am Gespräch beteiligt.)

Ralf Thenior: Das Erschrecken in der Wüste. Aus den Arbeitsbüchern eines Schulschreibers

"Es ist unabdingbar, dass der Schulschreiber sich ein Bild von der Erlebniswelt verschafft, dem Erfahrungshorizont, dem Erkenntnisinteresse und den sprachlichen Möglichkeiten jener Altersgruppe, die in der Schulklasse vor ihm sitzt und der er die Lust an der Sprache, die Lust am Schreiben, die Lust am Text vermitteln soll.
Doch ist 'Vermittlung' ein eher dürres Wort, klingt auch ein bisschen zu eindimensional vom Lehrer zum Schüler gedacht, um die Arbeit zu beschreiben, die gefordert ist. Geht es doch um nicht weniger, als Mittel zu finden, die Phantasie der Schülerinnen und Schüler anzuregen, Situationen zu erzeugen, in denen es der Klasse Freude macht, sich sprachlich zu äußern und daraus Texte entstehen zu lassen, mit denen auch der Ausdruck und die kritische Sprachfähigkeit der Kinder und Jugendlichen zu wachsen vermag."

Ralf Thenior, geboren 1945 in Bad Kudowa/Schlesien; lebt als Lyriker, Erzähler und Kinderbuchautor in Dortmund. Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis 1993. 2001 war er auf Einladung des Literaturbüros Ruhrgebiet (Gladbeck) für ein Jahr am Dorstener Gymnasium Petrinum der erste Schulschreiber der Republik; 2002 war er dann für vier Monate Schulschreiber an der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule in Gladbeck. Veröffentlichungen zuletzt:
Das bulgarische Gefühl (1998), die Osnabrücker Poetik (2000), Ko-Autor beim Kettengedicht Zunge auf Zunge (2001), Dämonenspiegel. Gedichte (2003) und der Hörfilm 24 Stunden auf dem Mekong mit der Band Archaic Pop Stuff (2003).

Barbara Zoschke: Ein Erfahrungsbericht oder: Was kann eine Schriftstellerin, was eine Deutschlehrerin nicht kann?

 "Nach den ersten zwei Stunden, frage ich mich folgerichtig: Was kann eine Schriftstellerin, was eine Deutschlehrerin nicht kann? Die Antwort liegt auf Hand: Sie kann schreiben. Das muss sie und das muss sie vor allem glauben, sonst wäre sie keine Schriftstellerin mit Veröffentlichungsliste. Denn behaupten kann man ja vieles. Die Lehrerin mag auch schreiben können, aber sie tut es im Zweifel als Amateurin und also nicht professionell. Die Güte ihrer Texte beeinflusst das vielleicht gar nicht, wohl aber ihre Berufsbezeichnung und dessen Alltag. Kurz: Die Lehrerin verdient ihren Lebensunterhalt mit Lehren. Die Schriftstellerin mit Schreiben und – das wird in der Wahrnehmung des Schriftstellerberufs (zumal, wenn die Leser jugendlich sind) sträflich vernachlässigt – mit Vorlesen.
Mich darauf zu besinnen, hat mir geholfen das Projekt für mich – und ich glaube auch für alle anderen – zu einem Erfolg werden zu lassen. Denn weil ich Autorin bin, gehe ich beim Schreiben planvoll vor, schließlich hängt nicht weniger als meine Existenz davon ab."

Barbara Zoschke, geboren 1964. Studium der Romanistik und Germanistik in Köln, Siena und Clermont-Ferrand. 1989 M.A. mit einer Arbeit über Aspekte androgynen Schreibens. Verschiedene Tätigkeiten als Lektorin und Redakteurin. Seit 1996 freie Kinder- und Jugendbuchautorin, Übersetzerin und Referentin mit dem Themenschwerpunkt "Kreatives Schreiben". Bekannte Buchtitel: Wilma Wolkenschwein (Loewe), Luzie und das Hochwasser (Patmos), Die Geschichte mit Toni – Bekenntnisse eines Fußballers (arsEdition). 2002 war sie für das Literaturbüro Ruhrgebiet Schulschreiberin am Leverkusener Landrat-Lucas-Gymnasium.

12.30-13.30 Uhr
Mittagspause mit kleinem Imbiss

13.30-15.20 Uhr

Gesprächsvortrag und Übung mit dem Schriftsteller und Literaturwissenschaftler
Burkhard Spinnen (Münster): Theorie und Praxis literarischer Werkstätten

"Das Pro und Contra über Sinn und Unsinn von Schreibschulen wird nie zu einem Ende geführt werden können. Erst recht nicht, wenn der Disput theoretisch bleibt.
Was vielleicht weiterhilft, sind Bericht und Erfahrungen aus der Praxis.
Es geht um unvermeidbare Defizite des Deutschunterrichts, um den Zusammenhang von Schreib- und Sprachfähigkeit, insbesondere aber darum, wie man die Ziele eines Schreibunterrichts in Schule (und Universität) bestimmt und wie man Formen entwickelt, die diesen Zielen angemessen sind."

Burkhard Spinnen, geboren am 28.12.1956 in Mönchengladbach; Studium der Germanistik, Publizistik und Soziologie; Magister 1984, Promotion 1989 mit einer Arbeit über Kurze Prosa; bis 1995 wissenschaftlicher Assistent am Germanistischen Institut der Universität Münster, seitdem freier Schriftsteller; Mitglied im deutschen P.E.N.; 1998 bis 2000 Vertreter einer Professur für Literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig; seit 2000 Juror beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt; lebt in Münster, verheiratet, zwei Söhne.

Literarische Veröffentlichungen zuletzt:

  • Belgische Riesen. Roman. Frankfurt a.M. 2000. (Taschenbuchausgabe: btb 2002)
  • Der schwarze Grat. Die Geschichte des Unternehmers Walter Lindenmaier aus Laupheim. Frankfurt a.M. 2003.

Auszeichnungen zuletzt u. a.:
Kinderbuch-Bestenliste des Focus August 2000 (Belgische Riesen); Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 2001; Caroline-Preis für Essayistik der Stadt Jena 2002; Medienpreis der Quandt-Stiftung 2003.     

15.20-15.40 Uhr
Kaffeepause

15.40-16.15 Uhr
Infos und Ausklang

Burkhard Spinnen liest am Abend der Leverkusener Tagung im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung aus seinem neuen Buch Der schwarze Grat. Die Geschichte des Unternehmers Walter Lindenmaier aus Laupheim.
19.30 Uhr, Spiegelsaal des Schlosses Morsbroich. Eintritt: 4 Euro.