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Experiment Wirklichkeit - Renaissance des Erzählens?

Projektleitung:
Gerd Herholz, Leiter Literaturbüro NRW-Ruhrgebiet e.V. (Gladbeck), und
Prof. Dr. Gerhard Köpf, Fachbereich 3 der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg

Das Projekt Renaissance des Erzählens? Experiment Wirklichkeit wurde unter der Federführung des Literaturbüros NRW-Ruhrgebiet e.V. (Gladbeck) und des Fachbereichs 3 der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg konzipiert.

Es wird durchgeführt mit Unterstützung

-  der Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen,
-  des Ministeriums für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

In Kooperation mit

-  der Stadtbibliothek der Stadt Essen,
-  der Stadtbücherei, dem Kulturbetrieb der Stadt Mülheim an der Ruhr,
-  der Stadtbibliothek der Stadt Oberhausen und
-  der Buchhandlung Althaus und dem Kulturamt der Stadt Gladbeck.

Redaktion: Gerd Herholz
8/1997
Fotos: siehe Bildränder

Gestaltung: Design Impuls Dietmar Winckler, Gladbeck
Druck: Wirtz Druck, Datteln


Gerd Herholz
Experiment Wirklichkeit und die Wirklichkeit des Experimentes. Als Leser auf Entdeckungsreise

Als oft ausgehungerter, aber doch wählerischer Leser was verlange ich von Literatur?

Patricia Duncker läßt im Roman Die Germanistin ihre Figur Paul Michel sagen: "Ich stelle die gleichen Anforderungen an Menschen und fiktionale Texte, petit daß sie offen enden, daß sie in sich eine Möglichkeit zu sein enthalten und diejenigen zu verändern vermögen, denen sie begegnen. Dann funktioniert etwas die notwendige Dynamik zwischen dem Autor und dem Leser."
D'accord, selbst wenn man es nüchterner formulierte, selbst wenn man es gar nicht ertrüge, von jedem großartigen Buch immer gleich existentiell verwandelt zu werden. Dennoch: Literatur, die mir gewachsen sein soll und der ich entgegenzuwachsen beabsichtige, muß mir zumindest zweierlei offerieren, nämlich die Möglichkeit, mit Hilfe gestalteter Sprache nicht nur andere Welten zu sehen, sondern auch die Welt anders.

Ob nun Gedichte, Geschichten, 'Texte', 'Konstellationen' oder 'Dichtungen' diesen Anspruch einzulösen versuchen, ist mir einerlei, Hauptsache, sie lösen ihn ein. Als Literaturliebhaber nehme ich mir über die von Daniel Pennac formulierten 'Rechte des Lesers' hinaus auch das Recht heraus, an Literatur jedweder Art, jedweder Zeit, jedweder Sprache interessiert zu sein. An den Krimis Jean Vautrins ebenso wie an den Gedichten Jandls oder Marin Sorescus, an den Spieltexten Raymond Federmans ebenso wie an den Romanen A.F.Th. van der Heijdens oder Stanislaw Lems, an den Essays Jörg Drews ebenso wie an den Dramen Lessings. Die Denkverbote, Demarkationslinien, Moden der Feuilletons kümmern mich als endlich selbstbewußt gewordenen Leser herzlich wenig.
Mag sein, daß sich (Groß-)Kritiker um des self-marketing willen öffentlichkeitswirksam fixieren auf pointierte Programme und Positionen; mag sein, daß Autorinnen und Autoren sich in bestimmte poetologische Traditionen stellen und darauf aufbauend ihre Poetiken entwickeln: Als Leser darf ich offenbleiben für die Lebendigkeit und Vielfalt von Literatur.
Als Leser bevorzuge ich bei Texten jeder Provenienz immer das Gutgemachte statt des nur Gutgemeinten. Als Leser schlagen mir ins
Dogmatische tendierende Alleinvertretungsansprüche literarischer Strömungen und das abgenudelte Vokabular ihrer feuilletonistischen Vor- oder Nachbeter im wahrsten Sinne des Wortes schmerzlich auf den Geist.

Ausgenommen bleibt erfrischende Polemik abseits erstarrter Feuilleton- und Wissenschaftsrituale.
Provokationen wie die folgende des neuen Dichtkünstlers Raymond Federman als Vorwurf an berechnend-selbstgefälliges Erzählen sind immer willkommen:

"Die Frage lautet: Kann es eine Literatur des Nicht-Wissens geben? Eine Literatur, die sich weigert, das Innere des Menschen auszudrücken oder die Welt abzubilden? (...)
Die neue Dichtkunst versucht, das Wissen absichtlich zu meiden, besonders jene Art von Wissen, die über Konventionen vermittelt, bestätigt und bestimmt wird. Um bei diesem (nun wohl paradoxen) Drang nach dem Nicht-Wissen erfolgreich zu sein, erfindet die neue Literatur ihre eigene Wirklichkeit und löst sie sich von allen Berührungspunkten mit der äußeren Welt. Die neue Literatur bekräftigt ihre Autonomie durch die Bloßlegung ihrer eigenen Lügen: sie erzählt falsche Geschichten, nicht-authentische Geschichten; sie demontiert die absolute Wahrheit und das, was man Realität nennt: sie behauptet sogar herausfordernd, daß Realität als solche gar nicht existiere und daß die Idee einer Realität Schwindel sei." (Surfiction: Der Weg der Literatur. Hamburger Poetik-Lektionen. Frankfurt a.M. 1992)

In der Tat, die Sätze Federmans fordern heraus, zumal in der Absicht formuliert, schriftstellerische Freiheit zu gewinnen, "in der Lage zu sein, alles und jedes zu schreiben auf jede mögliche Art".
Nur, "um in der Lage zu sein, alles und jedes zu schreiben auf jede mögliche Art", muß man Federmans Prämissen gar nicht teilen.

Denn wer weiß eigentlich sicher, daß das Erzählen von inneren und äußeren Welten am Ende seiner Möglichkeiten angekommen ist, daß es sich nicht längst unter der Schreibhand jüngerer Schriftsteller neue Themen und literarische Verfahren anverwandelt hat?

Ideenlos wird "dem Erzählen" mittlerweile von jedem Proseminaristen vorgeworfen, daß es eine verbrauchte, korrumpierte Sprache unreflektiert benutze, um geradezu naiv, das, was jeder sowieso sehen könne, noch einmal als Literatur nachzuplappern. Gerne spricht man dann vom Popanz des platten 'Realismus' oder gar 'Naturalismus', als ob nicht selbst der Naturalismus die sog. Wirklichkeit höchst artistisch gefiltert, bearbeitet und verdichtet hätte.
Dem 'Naturalismus'-Verdacht gegen das vorgeblich bloß inhaltistische Oberflächen-Nacherzählen entspricht als stupide Kehrseite derselben Medaille der 'Formalismus'-Verdacht gegen jede 'Avantgarde' oder 'experimentelle Literatur'. Denen wiederum wirft man vor, bei der Entwicklung neuer Formensprachen oder der Übertragung naturwissenschaftlicher Verfahren nichts anderes zu tun, als Sprache auch nur beliebig zu manipulieren, obwohl doch gegen deren Abnutzung und Regelwerk revoltiert werden sollte.
Festzuhalten bleibt aber eher: Wenn man nicht gleich mal wieder den Tod der ganzen Literatur proklamiert, wenn ersatzweise nur das Erzählen im Sterben liegt, dann siechen auch Avantgarde und experimentelles Schreiben munter dahin. Auch letztere sind rapide gealtert. Und drohen am chronischen Innovationszwang, ihrem selbstauferlegten genialischen Neuererkult zum x-ten Mal zu ersticken, würden sie unter den Sauerstoffzelten der Autorenlabors und Wissenschaftsnotaufnahmen nicht künstlich beatmet. Avantgardisten und experimentellen Schreibern man könnte ihnen vorwerfen, daß sie oft ihre eigenen Traditionen nicht kennen, daß sie ihre theoretischen Programme literarisch selten eingelöst haben, daß sie ungeheuer viel schlechte Texte produziert haben, daß sie öfter in Begriffen versackt sind als im ästhetischen Kontext hervorgetreten. Wenn es wirklich so sein sollte, daß nur der letzte Schrei literarischer Methoden einer immer komplexeren Wirklichkeit beizukommen in der Lage ist, dann sind auch die Methoden jeder Avantgarde zwangsläufig immer nur von gestern, so schnell verändern sich die Strukturen und Konstituenten der Wirklichkeit und der virtuellen Realität.
Wollte man überhaupt noch zwischen experimenteller Literatur und Erzählen trennen, bliebe so oder so für beide Arten von Literatur anzumerken, daß sie sich an der Komplexität zweier anderer Artefakte messen lassen müßten: an dem, was man für die Sprache hält und an dem, was man die Wirklichkeit, die Wirklichkeiten, die Realität oder manchmal auch das Leben nennt.
Sich auf launische Wirklichkeit einzulassen, bleibt für Autoren und Leser nicht nur ein Experiment, sondern ein hoffentlich unkontrollierbarer Versuch, schreibend und lesend die Welt zu erkunden.

Mit den Möglichkeiten der Sprache zu experimentieren, bleibt hoffentlich nicht nur Teil der Wirklichkeit literarischen Schreibens und weiterdenkenden Lesens, sondern ein ebenso unkontrollierbarer Versuch, über die Geheimnisse der Sprache zu den Geheimnissen der Wirklichkeit vorzudringen.
Erzählen heute läßt sich nur im Spannungsfeld von Tradition und Experiment, Welt und Sprache. Man sollte ruhig noch einmal Brecht zur Kenntnis nehmen, der während der Expressionismus-Debatte notierte: "Es kann der Literatur nicht untersagt werden, sich der neuerworbenen Fähigkeiten des zeitgenössischen Menschen, wie der, simultan aufzunehmen oder kühn zu abstrahieren oder schnell zu kombinieren, zu bedienen ... Man darf dem Schriftsteller alle Mittel zugestehen, die er braucht, um die Wirklichkeit beherrschbar zu machen."

An der Beherrschbarkeit der Wirklichkeit darf heute gezweifelt werden. Die Lizenz, den Schriftstellern (und ihren Lesern) alle Mittel zuzugestehen, die sie brauchen, um sich den Wirklichkeiten/Möglichkeiten von Welt und Sprache zu nähern, wäre erst noch weiter in der Schreib- und Lesepraxis zu erproben.
Wie das zur Zeit geschieht, kann man von den Autorinnen und Autoren, den Wissenschaftlern und Lektoren erfahren, die im Rahmen von "Renaissance des Erzählens? Experiment Wirklichkeit" lesen und diskutieren. Unter den Gästen auch Anna Enquist aus Amsterdam. Mit ihr wollen wir den Horizont öffnen für die Weite und Vielfalt des niederländischen Erzählens, deren Autorinnen und Autoren virtuos Welt und Sprache verarbeiten, angestrengte Literaturtheorien zwar zur Kenntnis nehmen, sich aber überhaupt nicht genötigt fühlen, erzählerische Texte vor ihnen zu rechtfertigen.
Wir hoffen, Sie bei unseren Lesungen, Poetik-Vorlesungen, Vorträgen und Diskussionen begrüßen zu dürfen.


Michael Klaus wurde am 6. März 1952 in Brilon Wald geboren. Seit 1981 arbeitet er als freier Schriftsteller und lebt heute in Gelsenkirchen und Reken.
Michael Klaus veröffentlichte Gedichte, Erzählungen, Romane, Satiren und über zwanzig Hörspiele. Er schrieb Drehbücher zu den WDR-Fernsehspielen "Schluß! Aus! Feierabend!", "Verkehr macht frei!" und zum Adolf-Winkelmann-Kinofilm "Nordkurve".
Michael Klaus erhielt zahlreiche Stipendien und wurde vom Kommunalverband Ruhrgebiet mit dem Literaturpreis Ruhrgebiet ausgezeichnet.
Michael Klaus und der international renommierte Klarinettist Theo Jörgensmann haben sich im Rahmen des Projektes "Literatur & Jazz '95" kennengelernt, das vom Literaturbüro NRW-Ruhrgebiet e.V. (Gladbeck) durchgeführt wurde.

Von Michael Klaus erschienen zuletzt:

  • Hin- und hergerissen zwischen Gelsenkirchen und Hollywood, eine CD zusammen mit dem Klarinettisten Theo Jörgensmann. Pendragon Verlag, Bielefeld 1996
  • Scherpe & Ziska. Die Geschichte einer Liebe. Verlag Henselowsky Boschmann, Essen 1996
  • Im September 1997 erscheint im Fischer Verlag der Roman Der Sommer in Samuels Augen, den der Autor gemeinsam mit seinem Sohn, Roman Klaus, geschrieben hat.

Das Leben im Revier (und nicht nur da) mit sanfter Ironie und ätzendem Spott zu schildern, die Schwächen der kleinen Leute und großen Möchtegerns zu protokollieren und literarisch zu verdichten darin liegt eine besondere Fähigkeit von Michael Klaus.
Erhard Schütz schrieb über Michael Klaus' Texte: "Sie sind sarkastisch, witzig und humorvoll zugleich Urlaubsgrüße aus dem Alltag. Nur daß Michael Klaus auf seine Ansichtskarten keine Floskeln schreibt, sondern Geschichten kaum länger als diese. (...) Solche Texte hat im Deutschen Robert Walser geschrieben. Und Peter Altenberg, ein anderer Meister von Text-Essenzen, hat gesagt, er schreibe zwar kurze, aber keine kleinen Texte. Das ist Michael Klaus: ein Autor von keinen kleinen Texten."

Michael Klaus und Theo Jörgensmann (Klarinette) lesen und spielen am Dienstag, 14. Oktober 1997, 19.00 Uhr, Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser

Michael Klaus:
Am Fenster


"1973 machte ich ernst. Ich ging in die Stadtbücherei, durch die Glastür, am Tresen vorbei, geradeaus bis zu den Fenstern, dann etwas nach rechts und setzte mich an einen kleinen grauen Tisch und wollte Schriftsteller werden. Mit dem Rücken saß ich zur Gelsenkirchener Lyrik, vor mir alphabetisch die Romane der Weltliteratur. Also Josef Büscher im Nacken und vor der Brust Balzac. Ich packte Papier und Kugelschreiber aus und schaute aus dem Fenster.

Es war eine merkwürdige Zeit. Die Lehramtsstudenten wollten Arbeiterdichter werden. Die Arbeiterdichter wollten natürlich die Arbeiterklasse befreien. Aber viel lieber wollten sie ins Große Deutsche Gedichtbuch von Karl Otto Conrady. Und die Frauenbefreiungslyrikerinnen gingen erst dann in ihrem Polarfuchsjäckchen auf die Straße, wenn sie Zuhause ihrem Mann die Häschenpantoffeln angewärmt hatten.

Ich stand noch mal auf und trank einen Kaffee und ging dann wieder an meinen Tisch und schaute durchs Fenster. Nach einiger Zeit stand ich wieder auf, trank Kaffee und kam zitternd zurück. Dann trank ich noch einen Kaffee und setzte mich mit flatternden Nerven wieder ans Fenster."

Michael Klaus, Poetikvorlesung am Mittwoch, 15. Oktober 1997, 19.00 Uhr, Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser


Emine Sevgi Özdamar wurde 1946 in Malatya, Türkei geboren. Mit zwölf Jahren spielte sie ihre erste Theaterrolle am Staatstheater Bursa im "Bürger als Edelmann" von Molière. 1965 bis 1967 Aufenthalt in Berlin, Arbeit in einer Fabrik. 1967 bis 1970 Schauspielschule Istanbul; erste professionelle Rolle im "Marat Sade" von Peter Weiss.
1976 Volksbühne Ost-Berlin. 1978/79 Paris und Avignon, Arbeit mit Benno Besson. 1979 bis 1984 Engagement als Schauspielerin beim Bochumer Schauspielhaus unter der Intendanz von Claus Peymann. Im Auftrag des Bochumer Schauspielhauses entstand ihr erstes Stück "Karagöz in Alemania", das Emine Sevgi Özdamar 1986 im Frankfurter Schauspielhaus auch unter eigener Regie aufführte. Verschiedene Theaterrollen u.a. in München (Kammerspiele), Berlin (Freie Volksbühne) sowie einige Filmrollen u.a. in "Yasemin" von Hark Bohm und "Happy Birthday, Türke" von Doris Dörrie.

1990 erschien ihr erster Erzählband "Mutterzunge" im Rotbuch Verlag (Berlin). Für Auszüge aus ihrem Debütroman "Das Leben ist eine Karawanserei, hat zwei Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus" (Verlag Kiepenheuer & Witsch) erhielt Emine Sevgi Özdamar den Ingeborg-Bachmann Preis und die Auszeichnung "International Book of the Year" des Times Literary Supplement.

Eva Pfister schrieb über Emine Sevgi Özdamar: "Sie ist Türkin, schreibt jedoch deutsch. Sie ist Theaterfrau, verfaßte jetzt aber einen Roman. Sie zaubert eine türkische Märchenwelt aufs Papier und hat doch einen engagierten, genauen Blick. (...) Ein Roman ist das Buch nicht eigentlich, eher ein Teppich, gewoben aus unendlich vielen Geschichten, die ein heranwachsendes Mädchen in der Türkei hört und erlebt. Die Lesenden lernen das Staunen ob der Fabulierkunst und der kunstvollen Sprache von Özdamar, die sich spielerisch zwischen deutschen und türkischen Bildern bewegt.

Emine Sevgi Özdamar liest am Freitag, 17. Oktober 1997, 19.30 Uhr, in der Gedenkhalle Schloß Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46

Emine Sevgi Özdamar:
Wir traten in das Badehaus,


ein Mösenplanet, ein Mutterbauch, ein sonniger. Wir zogen unsere Schleier aus, kilometerlange Haare, kiloweise Busen, Bauch, Tausendfüßler, liefen über den mit Wasser bedeckten Marmor. Sonne kam durch die Dachgläser und löste sich in vierzig Farben auf dem Wasser. Unsere Stimmen gingen hoch, und sofort kamen sie als Echo auf unsere Füße zurück. Diese Wassergeister wuschen sich stundenlang, rieben ihre Körper gegenseitig mit seidenen Tüchern ab, die alte Haut kam wie getrockneter Tabak von unserem Fleisch und ging durch die Löcher mit dem Wasser raus aus dem Badehaus. Manche Frauen fielen durch die Wärme fast in Ohnmacht, gingen raus in den kälteren Raum, setzten sich da, an einer Zitrone riechend, dann packten sie ihre Eßsachen aus. Gekochtes Getreide, Melonen, gefüllte Paprika, wir aßen und tranken, und die bucklige Frau von meinem Onkel sagte, als wir auf unserem Rücken mit unserem dicken Bauch ruhten: "Heute klauen wir dem Schicksalsengel einen Tag." Die Frauen machten die Augen zu. Ich schaute hoch zum Dachfenster, wo die Sonne sich zerstückelt hatte, um reinregnen zu können bis zu diesen Frauenkörpern, dann sah ich eine Birne da stehen, nahm die Birne und stellte sie zwischen meine Beine, mein Schatten weckte die bucklige Frau von meinem Onkel, die Bucklige sagte: "Tu die Birne da runter!"
"Warum?"
"Tu weg, sonst wirst du unter einem Eselding sterben."
"Warum?"
Die alte Frau meines Großvaters sagte, ohne ihre Augen aufzumachen: "Sag dem Mädchen nicht so schwere Sätze, die schwerer sind als ihr Körper, sie spielt."
Da kam eine sehr schöne Frau in das Badehaus rein. Das ganze nackte Fleisch von den anderen Frauen hörte auf, sich zu bewegen, nur ihre Münder machten sich auf, der Frauenchor flüsterte: "Die Hure ist da."

(aus: Das Leben ist eine Karawanserei, hat zwei Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus. Köln 1992)


Burkhard Spinnen wurde 1956 in Mönchengladbach geboren. Studium der Germanistik, 1989 Doktor phil., seitdem wissenschaftlicher Assistent am Germanistischen Institut der Universität Münster.
Für seinen ersten Erzählband "Dicker Mann im Meer" erhielt Burkhard Spinnen 1991 den aspekte-Literaturpreis.
Der Münchner Literaturkritiker und Sachbuchautor Michael Bauer schrieb über ihn:
"Burkhard Spinnen gehört einer sehr raren Spezies an: Er ist ein deutschsprachiger Gegenwartsautor mit Geist, Humor und einer schönen Sprache. (...) Die bei aller Sympathie aus der Distanz des Erzählers dargestellten Menschen in Burkhard Spinnens Geschichten sind oft sozial, mental und regional gebunden. Sie entstammen dem mittelständischen Kleinbürgertum Westfalens. Seien es Versicherungsvertreter oder Büroangestellte, Filialleiter oder Bundeswehrsoldaten, Hausfrauen oder Familienväter, ihr aller Leben verläuft in 'akuter Normalität' (Frankfurter Rundschau) am 'Abgrund der Alltäglichkeit' (Süddeutsche Zeitung)."
Auch in den nachfolgenden Geschichten aus "Kalte Ente" und in dem Roman "Langer Samstag" bleibt Spinnen seinen Themen treu, "alles scheint wohlgeordnet zu sein, bis eines Tages eine jener 'unerhörten Begebenheiten' alles in Frage stellt, von denen das Leben und die Literatur zehren".
Die unerhörte Begebenheiten des Alltags sind es auch, die die Ideen für Spinnens 59 Kürzestgeschichten aus dem Band "Trost und Reserve" abzugeben scheinen. Geschichten, wie aus Zeitungsmeldungen entwickelt und über diese hinausgehend in die Geschichten hinter den Meldungen. Aber nicht im Stile sensationsgeiler 'Hintergrundberichte', die nach dem vermarktbarem 'human touch' suchen, sondern Burkhard Spinnen führt uns eher wie ein Fährtenleser, der aus den Spuren seiner Umgebung heraus-liest und an-deutet was geschehen sein könnte, und es dennoch dem Leser überläßt, die offenen Geschichten des Autors mit eigenen Phantasien zu überlagern.

Burkhard Spinnen liest am Dienstag, 21. Oktober 1997, 19 Uhr, Gerhard-Mercator-Universität, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser

Burkhard Spinnen
Einen Roman für Karl Kraus!


Stellen Sie sich vor: wir sind in den 70er-Jahren. Ein junger Mann will Schriftsteller werden. Doch Schriftsteller ist kein Ausbildungsberuf, und daher tut der junge Mann, was ihm das Nächstliegende zu sein scheint: er studiert Literaturwissenschaft. Dort aber erfährt er, was er schon geahnt, aber nicht recht zu denken gewagt hat daß nämlich nicht einmal annähernd Sicherheit darüber besteht, was als gelingende zeitgenössische Literatur zu bezeichnen sei. Er erfährt vom finalen Anspruch der Avantgarde und von deren Finale, von der Fortschrittskritik in der Literatur und von ihrem Glauben an den eigenen Fortschritt, von neuer Subjektivität und dem Schwinden des Individuums. Schon nach wenigen Semestern scheint die literarische Laufbahn des jungen Mannes ruiniert; doch leider steht ihm auch der Weg in eine Moderatoren- oder Talkmaster-Laufbahn nicht mehr offen, denn seine schlimmste Verunsicherung hat er aus der Begegnung mit dem Werk Karl Kraus' gezogen. Und dort wird als Urgrund aller Existenzprobleme des Literarischen dessen Kannibalisierung durch das öffentliche Sprechen genannt. Also, Preisfrage: Wird unser junger Mann es dennoch wagen, Hand an Texte zu legen? Und was wird er tun, um, a) seinem Lehrmeister gerecht zu werden, oder b) um ihn zu vergessen. Dalli, dalli!

Burkhard Spinnen, Poetikvorlesung am Dienstag, 25. November 1997, 19.00 Uhr, Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser


Gerhard Köpf wurde 1948 in Pfronten/ Allgäu geboren: Von 1968-1974 Studium der Germanistik an der Universität München, 1974 Promotion. Nach Lehrtätigkeiten an verschiedenen Universitäten Berufung an die Universität Duisburg als Professor für Gegenwartsliteratur und angewandte Literaturwissenschaften, an der er seither lehrt. Durchbruch im literarischen Schaffen durch die Begegnung mit Günter Grass 1991. Gerhard Köpf lebt in München. Er erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, veröffentlichte außer wissenschaftlichen Arbeiten Erzählungen, Essays, Hörspiele, Theaterstücke und zehn Romane ("Die Strecke", "Die Erbengemeinschaft", "Papas Koffer" u.a.. Zuletzt erschien von ihm u.a. "Nurmi oder die Reise zu den Forellen. Eine Erzählung" (München 1996) und der Text "Die Augen einer Lerche" in "Die Welt in der Tasche. 25 Geschichten um Brooklyn & Buer, Lesen & Leben, Erinnern & Entkommen" (Essen 1996).
"Für mich ist Schreiben auch immer mit einem Erinnerungsprozeß verbunden, das heißt , ich erinnere mich natürlich auch an Texte anderer Autoren, die für mich wichtig waren, die ich gerne weiterspinne und die für mich Bestandteil meines Lebens sind. So wie die Klospülung und das Warmwasser Bedeutung und Funktion haben, so haben für mich ganz bestimmte Bücher eine zentrale, unmittelbar lebenspraktische Funktion; an die erinnere ich mich gern, und wenn die dann in meinen Büchern immer wieder auftauchen, ist dies zunächst ein Stück Erinnerung. Das hat mit Plagiat oder Einfallslosigkeit oder solchen dummen Vorwürfen überhaupt nichts zu tun. Die Menschen lesen ja immer weniger und vergessen immer schneller. Wo denn sollte die Literatur aufbewahrt werden, wenn nicht in der Literatur selbst?"
(Gerhard Köpf im Gespräch mit Franz Loquai)

Gerhard Köpf liest am Mittwoch, 22. Oktober 1997, 19.30 Uhr, im Foyer des Theaters Oberhausen, Ebertstraße 82

Gerhard Köpf:
Der amerikanische Traum
oder Vom Unterschied zwischen Vogel und Ornithologe
Verschämte Überlegungen zur Poetik des Erzählens


Seit ich zurückdenken kann, hat mich die amerikanische Erzählliteratur fasziniert. Warum eigentlich? Nur weil ich ein Kind des Kalten Krieges bin? Und im selben Atemzug, in dem man heute gerne die deutschsprachige Gegenwartsliteratur als blutleer und verkopft abtut, rühmt man die Erzählkunst von Autoren aus dem angelsächsischen Raum: Ja, die können noch erzählen, die wissen halt noch, wie man eine gute Geschichte spinnt, die denken eben an den Leser und an Hollywood ... und der Erfolg gibt ihnen recht.
Sind solche Fragen ein Ärgernis, ein Vorwurf, oder eine Provokation, die es produktiv zu nützen gilt? Was steckt hinter solchen (Vor-)Urteilen? Was haben uns die Amerikaner voraus? Warum sind sie besser? Haben wir wirklich vergessen, was eine gute Story ausmacht, oder haben es uns die Kritiker ausgeredet?
Viele Fragen, über die es sich lohnt, öffentlich nachzudenken. Dabei können sicherlich keine Rezepte, wohl aber einige Kostproben angeboten werden.

Gerhard Köpf, Poetikvorlesung am Dienstag, 28. Oktober 1997, 19.30 Uhr, Oberhausen, Elsa Brändström-Gymnasium, Christian-Steger-Straße 11


Ralf Rothmann wurde 1953 in Schleswig geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Er arbeitete nach der Volksschule und Maurerlehre als Krankenpfleger, Drucker und Koch. Neben dem Gedichtband "Kratzer" (1984) erschienen seine Erzählungen "Messers Schneide" (1986) und "Der Windfisch" (1988). Für seinen Debütroman "Stier" (1991) erhielt Rothmann mehrere Literaturpreise. 1994 erschien sein zweiter Roman "Wäldernacht". Ralf Rothmann lebt und arbeitet in Berlin, reist gerne durch Südamerika.
Mit "Wäldernacht" hat Rothmann den melancholisch-komischen Roman einer überlebten Liebe und eine spannungsvolle Kriminalgeschichte geschrieben. Wie schon in "Stier" liefern seine Jugenderlebnisse den biographischen Hintergrund für sein Schreiben. "Wäldernacht" erzählt von einem Mann namens Jan Marrée, einem im Berlin lebenden Maler, dem vom künstlerischen Aufbruch der frühen Jahre nicht viel mehr geblieben ist als der Suff. Als ein vom Leben ramponierter Vierzigjähriger kehrt er in seinen Heimatort zwischen Oberhausen und Bottrop wegen eines einjährigen Stipendiums zurück.
Am frühsommerlichen Fronleichnamstag dieses Jahres läßt Rothmann Jan Marrée nach durchzechter Nacht zusammentreffen mit den Menschen der Vergangenheit; und er entwirft das groteske Porträt einer Kleinstadt hinter deren Fassaden die Paranoia droht und sich dramatisch entlädt.
Am Schluß bleiben das Scheitern der Träume und Lieben, die enttäuschten Illusionen und die bittere Erfahrung, daß man gar keine grenzenlosen Möglichkeiten hatte, nur ein paar Chancen und selbst die kann man verpassen.
Gegen die Ruhrpottümelei zünftig-zackiger Arbeiterliteraten oder selbstdarstellernder Lyrik-Schimanskis, setzt Rothmann den kühlen Blick auf das Leben und schreibt dem Ruhrgebiet fast in Bernhardscher Manier genau die Haßliebe-Tiraden, die es längst verdient hat.

Ralf Rothmann erhielt zahlreiche Preise, u.a. den Literaturpreis Ruhrgebiet des Kommunalverbandes Ruhrgebiet. In Mülheim liest er auch aus unveröffentlichten Texten.

Ralf Rothmann liest am Mittwoch, 29. Oktober 1997, 20.00 Uhr, Stadtbücherei Mülheim an der Ruhr, Friedrich-Ebert-Straße 47

Ralf Rothmann:
Brennende Fragen


Was wird nun aus dem Meer
zu groß für jede Brieftasche
und wo bringen wir den Himmel unter
der nicht mit sich handeln läßt
das launische Feuer das in keinen Anzug paßt
wer behält es im Auge für den Rest der Ewigkeit
wer schützt uns vor den Küssen
von denen einer subversiver sein kann
als drei Bände Theorie
was unternehmen wir gegen den Regen
der unsere Lochkarten verspottet gegen den Sturm
der unsere Dauerwellen ruiniert
ist Nachricht gekommen aus den Studios
sind Blitz und Donner unter Vertrag
liegen Hausordnungen bereit und Eiswasserbecken
falls uns die Liebe überkommt
sind Maßnahmen erwogen gegen die Sonne
und was ist mit den Bäumen
die hier rumstehn ohne Ausweis

(aus: "Kratzer und andere Gedichte". Frankfurt a.M. 1987)


Ingo Schulze wurde 1962 in Dresden geboren, studierte von 1983 bis 1988 Klassische Philologie in Jena. 1993 verbrachte er als Zeitschriftenredakteur ein halbes Jahr in St. Petersburg, seither lebt er als freier Autor in Berlin. 1995 wurde er für "33 Augenblicke des Glücks. Aus den abenteuerlichen Aufzeichnungen der Deutschen in Piter" mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Ernst-Willner-Preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs und dem Alfred-Döblin-Förderpreis ausgezeichnet.
"Sein erstaunliches Prosa-Debüt ist ein Petersburger Kaleidoskop, zusammengesetzt aus lauter farbigen Erzählsplittern und funkelnden Prosa-Fragmenten", schrieb die Kritikerin Sigrid Löffler in Die Weltwoche.
Die einzelnen Episoden dieses im besten Sinne eklektischen Bandes erzählen von einer Stadt, die Generationen von Schriftstellern, Künstlern, Musikern und Lesern fasziniert hat. Einer Stadt, in der aus jedem Kanaldeckel die Geschichte hervorzuquellen und jede Mauer von einer feinen Patina überzogen scheint. Doch trotz dieser alles überlagernden Pracht des Vergänglichen oder gerade ihretwegen, eignet sich 'Piter' (St. Petersburg) vorzüglich als Projektionsfläche für Schulzes literarische Phantasien.
Als Fremder hat er genau hingesehen und oftmals ein kleines Detail aus dem Alltag aufgegriffen, das sich zu einer komischen, grotesken, manchmal auch tragischen Geschichte auswächst. Ein ausgeklügeltes Vexierspiel, das mit erzählerischer Verve die große Tradition der Petersburger Literatur aufgreift.
Während viele Autorinnen und Autoren, die beim Projekt "Renaissance des Erzählens? Experiment Wirklichkeit" zu Gast sind, amerikanische Erzähler als Vorbilder nennen, zeigt sich Ingo Schulze eher beeinflußt von Daniil Charms, Anton Tschechow oder Michail Bulgakow.

Ingo Schulze liest am Donnerstag, 30. Oktober, 19.30 Uhr, Buchhandlung Carlotta Althaus, Marktplatz 2, 45964 Gladbeck (Tel.: 02043/ 26811)

Ingo Schulze:
Iwan Toporyschkin,


der Vater, gibt für alle Gäste am Tisch die Bestellung auf. Plötzlich sagt der Kellner: "Das schmeckt aber nicht."
Wer am Tisch sitzt, sieht zu ihm auf.
"Das schmeckt aber nicht!" wiederholt der Kellner und wechselt mit jedem einzelnen Gast einschließlich Iwan Toporyschkins, des Vaters, einen Blick.
Iwan Toporyschkin, der Vater, zeigt noch einmal auf das Gericht mit der Nummer 3012 und sagt: "Ich will!"
"Das schmeckt aber nicht", sagt der Kellner zum dritten Mal, notiert sich die Nummer 3012 und geht ab in die Küche.
Jetzt beginnen alle Gäste einschließlich Iwan Toporyschkins, des Vaters, zu lachen. Sie lachen so sehr, daß ihre Gesichter die aufgestellten Servietten zwischen ihren Gedecken berühren und der Geschäftsführer gerufen werden muß.
"Das schmeckt aber nicht!" prustet Iwan Toporyschkin, der Vater, los, und wieder berühren alle Gesichter die Servietten vor ihnen.
Eine Unverschämtheit", sagt der Geschäftsführer. Schließlich aber kommt alles heraus, der Kellner wird gerufen und entlassen. Das Essen einschließlich Nummer 3012 bringt eine Kellnerin.
"3012 schmeckt nicht", sagt Iwan Toporyschkin, der Vater, legt Messer und Gabel zurück auf den Tisch und greift zur Serviette. Der Geschäftsführer wird gerufen und der Kellner wieder eingestellt.
Aus Geschichten wie dieser schöpfe ich jedesmal neuen Mut.

Katja Lange-Müller wurde 1951 in Ostberlin geboren, lebt in Berlin, zur Zeit auch als Stadtschreiberin in Minden. Sie veröffentlichte bisher satirische Texte, Erzählungen, Hörspiele, Essays und Romane.

Mit 17 trennte sie sich von ihrer Familie, besetzte eine Bude im Ostberliner Scheunenviertel und schlug sich als Setzerin, Umbruchredakteurin und Layouterin bei einer Zeitung durch. Sie studierte zwei Semester Kunst, war Hilfsschwester an der Berliner Charité und lernte später im Pflegedienst eines anderen Krankenhauses das Elend der (ost-)deutschen Psychiatrie kennen. Dieses Elend der "Schizo-Omas und senilen Demenzen" brachte sie zum Schreiben. Drei Jahre studierte sie am Leipziger Johannes R. Becher-Institut, der Autorenschmiede der DDR-Literatur, hatte sich inzwischen einen Namen als Essayistin und Erzählerin gemacht.
Ausschnitte und Stationen eines unruhigen Lebens - das schließlich 1984 nach der legalen Ausreise aus der DDR in einer kleiner Wohnung im Berliner Arbeiterviertel Wedding einen vorläufigen Ruhepunkt fand.
Katja Lange-Müller schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch und schrieb weiter. Mit Erfolg. 1986 wurde sie für vier Kapitel aus ihrem Kaspar Mauser. Die Feigheit vorm Freund - Roman beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt ausgezeichnet.
Als das Buch schließlich zwei Jahre später erschien, konstatierte die Kritik eine "Existential-Groteske, von der Autorin mit messerscharfer Komik vorangetrieben" (Frankfurter Rundschau).
Verfrühte Tierliebe, Katja Lange-Müllers neuestes Buch, erzählt auf den ersten Blick zwei kuriose Ereignisse aus der Kindheit und Jugend einer Frau, liest sich auf den zweiten Blick als ein Buch über die Einsamkeit des Erwachsenwerdens, über die peinigende Realität des Körpers im menschlichen Zusammenleben, über Macht und Ohnmacht zwischen Männern und Frauen. Für dieses Buch wurde Katja Lange-Müller 1995 mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet.

Katja Lange Müller liest am Dienstag, 4. November 1997, 19.00 Uhr, Gerhard-Mercator-Universität, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser

Katja Lange-Müller:
"Der Hang zum Brühwürfel" oder "Die Früchtchen linkshändiger Legasthenie"

Schreiben, was war, was ist, was wird das für mich?
Auf jeden Fall fiel's mir verdammt schwer, es zu lernen Buchstabe um Buchstabe, und diese doch sehr abstrakten Zeichen für Wort-Teilchen dann auch noch in die richtige Reihenfolge zu bringen. Ich stand an der Tafel und wußte Zeichen, aber ich durfte sie nicht hinschreiben mit der linken Hand, und wenn ich es, voller Zorn, mit der rechten versuchte, brach die Kreide ab. Schließlich biß ich meiner Lehrerin in die Hand, wahrscheinlich die rechte, blieb sitzen, mußte die erste Klasse wiederholen. Was blieb mir übrig? Ich gab nach und schrieb wie die anderen, nur daß ich den Stift, der oft genug auch abbrach, wie einen Hammer hielt und die Buchstaben durchs Papier ins Bankholz nagelte, allerdings meist irgendwie durcheinander, den dritten Buchstaben vor den zweiten, den ersten hinter den vierten. In all meinen Zeugnissen stand der Satz: "Katjas mündlicher Ausdruck ist gewandt und gut; in der Anfertigung schriftlicher Arbeiten ist sie langsam und schwerfällig".
Und so wurde ich, lange bevor ich zu schreiben begann, nun gar mit halbwegs literarischen Hintergedanken, eine Leserin. Ich las mir, wie meine Oma das ausdrückte, "Maden in die Augen". Ich las wie manche Menschen Schokolade essen, pausenlos und nimmersatt. Lesen war eine Möglichkeit, sich selbst und auch das sonstige Wirkliche zu vergessen. Ich war eine manische Betäubungsleserin, die sich dumpf und kritiklos alles Gedruckte reintat, bis zur letzten Seite (die glücklicherweise nie die letzte war), bis die Batterien der Taschenlampe schlapp machten...

Katja Lange Müller, Poetikvorlesung am Mittwoch, 5. November 1997, 19.00 Uhr, Gerhard-Mercator-Universität, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser

H.P. Karr und Walter Wehner wurden 1955 (Karr) und 1949 (Wehner) geboren, seit 1988 arbeiten sie gelegentlich zusammen. Sie schreiben Großstadtstories, Hörspiele und Krimis. Für ihren Gonzo-Thriller Rattensommer erhielten sie 1996 den mit 10.000 DM dotierten Glauser/ Autorenpreis deutsche Kriminalliteratur für den besten Krimi des Jahres.

Hierzu ein Fake-Interview:
Frage: Wie schreibt man eigentlich zusammen einen Roman?
K & W: Indem man einfach die Texte des Kollegen zusammenstreicht. Wir treffen uns einmal pro Woche und besprechen die grundsätzlichen Dinge einer Geschichte, die Figuren, das plot. Einer beginnt zu schreiben, der andere korrigiert, schreibt weiter, wird korrigiert etc. etc.
Frage: Und die Recherchen? Im Geierfrühling ging es um die Obdachlosen- und Neonazi-Szene, im Rattensommer um Billigpornos und das Fernsehgeschäft, jetzt im Hühnerherbst um kommunalen Filz und Geldwäsche.
Karr: Recherche gehört zu jeder Geschichte. Da hilft manchmal die Vergangenheit als Journalist.
Wehner: Wir haben einzeln oder gemeinsam Informanten oder suchen uns welche. Da werden Gespräche geführt, wird beobachtet, nachgeprüft und manches noch mal besprochen.
Frage: Gibt es ein reales Vorbild für den Video-Geier Gonzo Gonschorek, der immer mit einem Ohr am Polizeifunk durch die Gegend fährt, um bloß keinen Unfall oder Polizeigroßeinsatz zu verpassen?
K & W: Es gibt genug freie Kameraleute wie ihn.
Frage: Gonzo ist kein strahlender Held. Besonders sein Verhältnis zu Frauen pendelt zwischen Geilheit und kitschiger Romantik. Manche sagen sogar, er sei ein Arschloch.
Karr: Es gibt größere Arschlöcher als ihn.
Wehner: Er ist eine Romanfigur, und die sind um so interessanter, je widersprüchlicher sie sind.
Frage: Der letzte Band der vier Gonzo-Thriller ist für den Herbst 1998 angekündigt,. Wie geht es danach weiter?
K & W: Es geht schon vorher weiter - mit einem ganz anderen Roman.

Karr & Wehner lesen am Mittwoch, 12. November 1997, 20.00 Uhr, Stadtbücherei Mülheim an der Ruhr, Friedrich-Ebert-Straße 47

H.P Karr:
Gut, erzählen wir Geschichten.

Lagerfeuergeschichten, Klatschgeschichten, Gruselgeschichten.. Und wenn uns keine neuen Geschichten mehr einfallen, erzählen wir einfach die alten Geschichten neu. Machen wir aus der "Antigone" ein Primetime-TV-Movie: "Schicksalsstunden einer Königstochter". Und aus der Medea: "Wenn Mütter töten". Gestaltet nach Tatsachen, nur Namen und Orte wurden verändert, um Unbeteiligte zu schützen. Geschichten fesseln, weil sie von Menschen erzählen; sie fesseln, weil sie wirklich und tatsächlich scheinen. Wenn wir Geschichten erzählen wollen, müssen wir uns fragen: Kann das geschehen? Ist diese Entwicklung und diese Entscheidung durch unsere Erfahrungen gedeckt? Haben wir vielleicht Beispiele, bei denen es so oder so ähnlich gewesen ist. Geschichten haben aber noch mehr: Sie paraphrasieren einen Zustand, erzählen auch von Träumen, Wünschen oder Ängsten: Sie erzählen davon, wie ein Mann ganz allein gegen eine Terroristengruppe antritt, die ein Hochhaus besetzt hat. Sie erzählen von einem Roboter, der aus der Zukunft kommt, um seinen zukünftigen Gegner zu töten. Geschichten erzählen, wie es uns im Augenblick geht.

H.P. Karr (alias Reinhard Jahn), Poetikvorlesung am Dienstag, 11. November 1997, 19.00 Uhr, Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser

Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln-Lindenthal geboren und lebt heute in Stuttgart. Ab 1970 studierte er Musikwissenschaft, vergleichende Literaturwissenschaft, Germanistik und Philosophie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Nach Studienaufenthalten in Rom und Paris promovierte er 1976. Danach war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut der Universität Mainz tätig.
1979 debütierte er mit dem Roman Fermer, der mit dem ersten aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Auf das vielbeachtete Buch Mozart - im Innern seiner Sprachen (1982) folgte u.a. die umfangreiche Erzählung Hecke (1983) und der Roman Schwerenöter. Zuletzt erschien von Hanns-Josef Ortheil das Buch Blauer Weg (1996). Ortheil erhielt zahlreiche Preise.
Soweit einige Presseinformationen zur Bio-Bibliographie Hanns-Josef Ortheils. Spannender liest sich da schon, was Paul Michael Lützeler über Ortheils Buch Das Element des Elephanten. Wie mein Schreiben begann in der Neuen Zürcher Zeitung zu Papier brachte. "Ortheils vehement selbstkritische Äusserungen über seinen (unveröffentlichten) Erstling stellen alles in den Schatten, was man an Verrissen aus den Federn der Imperatoren der Literaturkritik kennt. 'Es war der Text eines grössenwahnsinnigen Dilettanten', lautet die geradezu scharfrichterliche Selbstverurteilung. Ergebnis der Krise ist, dass er seinen Plan aufgibt, Schriftsteller zu werden. Statt dessen stürzte er sich in die 'Fron' eines germanistischen Studiums, an dessen Ende er eine romantheoretische Dissertation vorlegt. Bei einem Paris-Besuch sieht er zufällig Sartre in einem Café. Er fühlt sich magnetisch von diesem 'Urbild' seiner frühen Tage, von dieser 'Ikone des Schriftbesessenen' angezogen. (...) Der Autor gibt sich selbst noch einmal eine Chance, es mit dem Schreiben zu versuchen. Kurz darauf beginnt er mit der Arbeit an seinem Roman Fermer."

Hanns-Josef Ortheil liest am Dienstag, 18. November 1997, 20.00 Uhr, Literaturcafé der Stadtbibliothek Essen, Hollestraße 3 (gegenüber dem Hauptbahnhof)

Hanns-Josef Ortheil:
Die Geheimnisse des Herrn von Goethe in Rom - ein Spionagebericht

Am 29. Oktober 1786 trifft Goethe in Rom ein. Schon bei seiner Ankunft wird er von einem jungen Römer beobachtet, der sich das merkwürdige und auffällige Verhalten des Fremden nicht erklären kann. Neugierig geworden heftet er sich an die Spur des Besuchers, der alles tut, seine Identität geheim zu halten. Aus dem jungen Beobachter wird ein Spion, der bald merkt, daß er nicht der Einzige ist, der sich für den Fremden interessiert....
Hanns-Josef Ortheil arbeitet an einem Roman über Goethes römische Tage. In seinem Vortrag berichtet er von seinen Recherchen, gibt Einblick in seine Werkstatt und reflektiert darüber, wie heute ein historischer Roman entstehen könnte, der alles andere sein will als ein traditionell erzählter historischer Roman.

Hanns-Josef Ortheil, Poetikvorlesung am Dienstag, 18.November 1997, 16.00 Uhr, Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser

Thomas Wörtche wurde 1954 in Mannheim geboren und lebt heute in Berlin.
Von 1974 bis 1980 studierte er Germanistik in Bochum und Konstanz mit den Abschlüssen MA und Staatsexamen. 1987 Promotion zum Dr. phil. Thomas Wörtche war von 1988 bis 1991 verantwortlich für "Aktuelle Literatur" beim Playboy (deutsche Ausgabe). 1988 bis 1994 akquirierte er internationale Originalhörspiele aus dem angelsächsischen und hispanophonen Sprachraum für den SDR.

Seit 1995 ist Wörtche 'Editor' für die Original-Hörspiel-Reihe US-Contemporary-Crime Fiction des WDR.
Thomas Wörtche schreibt für viele renommierte Zeitungen und Zeitschriften Rezensionen, Artikel, Feuilletons, Essays und Interviews; er verfaßt Radiobeiträge für große Rundfunkstationen, arbeitet auch als freier Lektor und als Lehrbeauftragter an diversen Universitäten.
Thomas Wörtche war Mitherausgeber des Jahrbuches der Kriminalliteratur, des Underground. Das Internationale Krimi-Magazin.
Als Herausgeber fungierte er zuletzt u.a. für die Anthologien Neonschatten (Bergisch Gladbach 1994) und Mörderisches Berlin (Frankfurt a.M. 1995).
In der Krimi-Szene, die sich selbst gern feiert und gegenseitig bestätigt, gehören Wörtches Rezensionen(die man auch im Internet findet), Essays oder Reden zu den Glücksfällen, weil er respektlos und kenntnisreich die jeweils neuen Größen auf ihr wirkliches Format stutzt und immer wieder den Blick öffnet für nationale und internationale Kriminalliteratur, die Krimimuster gekonnt variiert oder erneuert und neue Themen erschließt, also der Wirklichkeit wieder ein Stück näher auf den Leib rückt.
Wörtche in einem Essay: "Die besten Kriminalromane sind vermutlich die, die auf der Basis einer penibel genauen Wirklichkeitsbeobachtung die Realität poetisch zum Leuchten bringen."

Thomas Wörtche, Vortrag zu Erzählen und Kriminalliteratur am Mittwoch, 19. November 1997, 19.00 Uhr, Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/ Wegweiser

Thomas Wörtche:
Aus: "Kriminalliteratur - Eine Momentaufnahme". Eröffnungsrede zur Veranstaltungsreihe: Cream-of-Crime, im Brecht-Haus, Berlin

Wirklichkeit ist ja einerseits ein Ding, das unabhängig von medialer Bearbeitung existiert (wer das bezweifelt, dem empfehle ich einen echten Bauchschuß, und keinen virtuellen) - andererseits ein Ding, das auch nicht vollständig präformiert in der Gegend herumlungert und bloß darauf wartet, ab- und aufgeschrieben zu werden. Wenn Kriminalliteratur sich mit Wirklichkeit beschäftigt, muß diese a) erkennbar sein und b) sich selbst vorausdenken oder neu denken oder etwas vermuten, erahnen, assoziieren oder sogar herbeihalluzinieren.
Sprache und Wirklichkeit stehen in einem prekären Verhältnis: Die Sprache kann noch so kunstvoll sein, noch so raffiniert, ausgekocht und mit allen Wassern von Romantheorien gewaschen - wenn mit ihr etwas erzählt wird, was aus Gründen des Nicht-Genau Hinschauens, des Nicht-Wissens, des Falsch-Verstehens, des Nicht-Kennens von Sachverhalten, Topographien, Fakten etc. nicht funktioniert, dann zerplatzt die schöne Kunst wie eine Seifenblase.
Die Realitäten, könnte man sagen, verhindern das Abheben der Kriminalliteratur ins Beliebige. Keine Literatur, auch die avancierteste nicht, ist von dieser Fessel frei - gesetzt sie vermeidet "Realitäten", sind diese dennoch ex negativo vorhanden, weil sie wissen muß, welche Realitäten sie vermeiden will; gesetzt, sie baut rein literarische Gegenwelten auf, dann muß sie wissen, welche Züge der einen Welt sie in der anderen vermeiden will.

Anna Enquist wurde 1945 geboren, lebt als Autorin und halbtags praktizierende Psychoanalytikerin in Amsterdam. Sie veröffentlichte vier in den Niederlanden sehr erfolgreiche Gedichtbände, bevor ihr Roman Das Meisterstück ein Bestseller wurde. Das Meisterstück erhielt in den Niederlanden den Preis für den besten Erstlingsroman und ist inzwischen in viele Sprachen übersetzt worden.
Obwohl die Autorin als ausgebildete Psychoanalytikerin viel von der menschlichen Psyche versteht, hütet sie sich vor Geheimniskrämerei. Fast könnte man sagen: Bei Anna Enquist werden die Geheimnisse ergründet, die Geschichte der Geheimnisse von heute in der Vergangenheit aufgespürt und aufgearbeitet.
Der Klappentext des Romans meint dazu: "Das Meisterstück erzählt von unseren lebenslangen Gefechten um Aufmerksamkeit, Bestätigung, Liebe und porträtiert zugleich mit Witz und Ironie eine Gesellschaft, in der aus der Familie ein Verband zuwendungsbedürftiger Individualisten geworden ist."
Anna Enquist selbst drückt es bescheidener aus: "Es ist ein Buch über die Ambivalenz, jemanden zugleich zu lieben und zu hassen."
Ambivalenz wird auch durch die Konstruktion des Romans aufrechterhalten. Es wird aus wechselnden Innenperspektiven der einzelner Personen erzählt, jede Erzählposition wird durch die anderen relativiert. Es gibt keine Wahrheit(en), es gibt nur Ansichten, Sichten der inneren und äußeren Welten.
Die Vertauschung der Zeitebenen und die Rückblenden heben zusätzlich jede Eindeutigkeit oder Kausalität auf.

Anna Enquists 1997 erschienener zweiter Roman Die Erbschaft des Herrn de Leon erzählt die Lebensgeschichte der Pianistin Wanda Wiericke. Die talentierte Wanda erlebte noch als Schulmädchen die Deportation ihres geliebten Klavierlehrers, des Herrn de Leon. Er hinterläßt ihr zwei Koffer voller Klaviernoten, doch dies ist nicht die ganze Erbschaft des Herrn de Leon.

Anna Enquist liest am Donnerstag, 20. November 1997, 20.00 Uhr, Stadtbücherei Mülheim an der Ruhr, Friedrich-Ebert-Straße 47

Anna Enquist:
Die Tür zum Innenhof von Herrn de Leon steht weit offen

Ein Soldat zieht Herrn de Leon am Arm zu der Menschenreihe in der Mitte der Straße, ein zweiter folgt den beiden dicht auf den Fersen.
Die Leute, die zuschauen, sind totenstill. Wanda kriecht unter der Absperrung durch und steht plötzlich auf der Straße. Sie spürt die Blicke im Rücken, eine Frau zupft sie am Ärmel, sie stolpert und fällt in die Reihe der Zuschauer zurück. Herr de Leon hat einen kleinen Koffer in der Hand und einen langen, dunklen Wintermantel an, ohne Stern. Er wendet langsam den Kopf und läßt seinen Blick über die Menschen wandern. Er sieht Wanda, aber er sieht durch sie hindurch, er sieht sie und sieht sie doch nicht. Mit der freien Hand nimmt er den Hut vom Kopf, hebt ihn fast feierlich, setzt ihn wieder auf und läuft mit den anderen die Straße hinunter.

(aus: Die Erbschaft des Herrn de Leon. München 1997)

Martin Hielscher geb. 1957, Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie, Dr. Phil., Autor, Kritiker, Übersetzer, Lektor (1992/93 beim Luchterhand Literaturverlag in Hamburg), seit 1994 verantwortlicher Lektor für deutsche Literatur bei Kiepenheuer & Witsch in Köln. Veröffentlichte u.a. das Autorenbuch über Wolfgang Koeppen und als Herausgeber die Anthologie Wenn der Kater kommt. Neues Erzählen - 38 deutschsprachige Autorinnen und Autoren (1996), übersetzte u.a. Richard Ford und William Gaddis.
Mit der Herausgabe der Erzählungen aus Wenn der Kater kommt versuchte Hielscher einen Wandel innerhalb der deutschsprachigen Literatur hin zu einem offenen erzählerischen Schreiben zu markieren, das sich ganz verschiedener Töne und Verfahren, unterschiedlicher Themen und Stimmungen bedient, ohne einem angestrengten ästhetischen Konzept gehorchen zu wollen.
Es ist Bewegung gekommen in die neue deutschsprachige Literaturlandschaft, ganz gleich, ob die Texte nun eher spielerisch oder ernst, eher ironisch oder existentiell, eher welterkundend realistisch oder introvertiert, eher sprachverliebt oder lakonisch sind.
Die Geschichten aus Wenn der Kater kommt bereiten Vergnügen und beschäftigen nachhaltig (etwa Katja Lange-Müllers anekdotische Erzählung Die Ente in der Flasche über Heiner Müller und Zen). Sie sind oft kleine Meisterstücke und Wegmarken, hin zu einer neuen, lebendigen erzählerischen Literatur im deutschsprachigen Raum.

Martin Hielscher:
Die deutschen Schriftsteller wollen die Welt überspringen

Daß ein junger deutscher Autor wie Michael Kleeberg, der in Paris lebt, einen Gesellschaftsroman veröffentlicht wie seinen "Proteus, der Pilger" (Halle 1993), ist absolut rar. Die deutschen Schriftsteller mögen die Welt nicht. Es gibt keine Tradition des Gesellschaftsromans, die aus der Versöhnung mit dem Gesellschaftlichen (...) lebte. Die deutschen Schriftsteller lieben ihre Figuren nicht, sie lieben die Menschen nicht. Es gibt keine Tradition des "travel writings", der Neugierde auf die Welt, auf das Andere. Die deutschen Schriftsteller leiden, wie Habermas, an der "neuen Unübersichtlichkeit", die so neu nicht ist, sie verlaufen sich nicht gern, sie bewegen sich überhaupt nicht gern.
Was sie von ihren amerikanischen Kollegen so fundamental unterscheidet, ist ihre Angst vor der Banalität, vor dem Bedeutungslosen, dem bloß Zufälligen, ihre Unfähigkeit, irgendein Verhältnis zu den Massenmedien zu entwickeln - schon im Begriff "Masse" steckt ja der elitäre Refus -, die für einen hochkarätigen und hochkomischen Autor wie Thomas Pynchon selbstverständliche Erzählfolie sind.
Die deutschen Schriftsteller wollen die Welt überspringen, um gleich für die Ewigkeit - oder, was in ihrer Vorstellung das gleiche ist, das ZEIT-Feuilleton zu schreiben. Niemand kann es ihnen beibringen, diese Welt, diese fehlbaren "dummen" Menschen darin und ihre kleinen, "dummen" Wünsche und Bedürfnisse, ihre "dummen" Größenphantasien zu lieben.

(aus: VorOrt Deutschland. Veränderte Landschaft - neue Literatur? Konzepte - Magazin für eine junge Literatur. Heft 16, 10. Jg. 1994)

Martin Hielscher spricht über seine Ansichten zu Perspektiven zeitgenössischen deutschsprachigen Erzählens am Mittwoch, 26. November 1997, 19 Uhr, Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser

Kerstin Hensel wurde 1961 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren. Sie studierte nach der Ausbildung zur Krankenschwester am Institut für Literatur in Leipzig und war Aspirantin am Leipziger Theater. Seit 1987 lebt sie als freiberufliche Schriftstellerin und Herausgeberin mit ständigem Lehrauftrag an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin und der Filmhochschule Potsdam.
Kerstin Hensel erhielt zahlreiche Preise, u.a. den Darmstädter Leonce-und-Lena-Preis und den Förderpreis zum Lessingpreis.
"Das Grausige mit dem Grotesken, Schrecken und Einfühlung so miteinander zu verstricken, daß die eigene Wirklichkeit plötzlich durchsichtig wird - das ist Kerstin Hensels ganz eigene Qualität." (Freitag, März 1997).
Prosa, Gedichte, Nachdichtungen, Essays, Drehbücher, Theaterstücke, Hörspiele und Libretti gehören zu Kerstin Hensels literarischem Werk. 'Nebenbei' betätigt sie sich auch als Kritikerin, z.B. für die taz, oder leitet eine Schreibwerkstatt an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel, wie jüngst im August '97.
Zuletzt erschienen von Kerstin Hensel u.a. die Erzählungen Im Schlauch und Tanz am Kanal bei Suhrkamp sowie der Erzählungsband Neunerlei im Kiepenheuer Verlag.
Alexander von Bormann schrieb in der Frankfurter Rundschau über Tanz am Kanal: "Kerstin Hensels Heldin will kein Opfer sein, sie lamentiert nicht, lebt am Kanal, zum Tanz kommt es freilich nur im Traum. Sie wird überfallen, was die Polizei nicht wahrhaben will (oder darf?), und in den Rückblenden (...) erfahren wir viel von dem, was in der DDR sarkastisch-vornehm 'gebremstes Leben' hieß. (...)
Ein intensiver Text, dessen Züge doch alle jener Wirklichkeit geschuldet sind, von der zu erzählen automatisch aufs Groteske, Makabre, Sarkastische führt. Aber immer wieder auch aufs Poetische, und es gehört zum Takt Kerstin Hensels, daß nichts beschönigt, aber auch nichts schematisiert wird."

Kerstin Hensel liest am Freitag, 28. November, 19.30 Uhr, Buchhandlung Carlotta Althaus, Marktplatz 2, 45964 Gladbeck (Tel.: 02043/ 26811)

Kerstin Hensel:
Der sezierende Blick

Erzählen ist eine altmodische Angelegenheit, und ich bekenne mich dazu, altmodisch zu sein. Was mich am Erzählen, also an der Welt interessiert, sind die Menschen. Sonderlinge, Außenseiter, der zarte Irrsinn des Alltags - bestimmen meinen Blick auf das Leben und die Literatur. Dieser Blick geht durch die Verhüllungen auf die Knochen der Gesellschaften. Erzählt wird, was ich sehe, ohne Kommentar. Die Sprache der erzählenden, wie dichterischen Literatur ist eine gegen das herrschende Gekrächz des Alltags, der Medien und der blutleeren Designerprosa. Die Epik des Wissens steht gegen die Droge Information. Erzählen ist eine langsame genaue Bewegungsart des Verstandes, deshalb schreib ich mit Bleistift, aber ich schreibe nicht gern von mir.

Kerstin Hensel, Poetikvorlesung am Freitag, 28. November 1997, 10.00 Uhr, Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser

Marcel Beyer wurde am 23. November 1965 in Tailfingen/Württemberg geboren. Er lebt heute als Autor, Herausgeber und Übersetzer in Dresden. Seit 1989 veröffentlicht er Literaturkritiken und seit Ende 1991 schreibt er Musikkritiken für das Magazin SPEX.
Marcel Beyer erhielt zahlreiche Stipendien und Preise.

Vom ihm erschienen bisher u.a.:

  • Walkmännin. Gedichte 1988 - 1989 (Frankfurt a.M. 1991)
  • Das Menschenfleisch. Roman (Frankfurt a.M. 1991)
  • Flughunde. Roman (Frankfurt a.M. 1995)
  • Falsches Futter. Gedichte (Frankfurt a.M. 1997)

In kraftvoll-musikalischer und stilistisch modulationsfähiger Prosa, vollgesogen mit theoretischen und literarischen Einflüssen, mit Musik- und Filmzitaten, betreibt Beyer in assoziativ-poetisch oder reflektierend gehaltenen Passagen seines ersten Romans Das Menschenfleisch einen zeitgenössisch-modernen Sprach-Erkundungsversuch zwischen 'fiction und non-fiction'.
Das besondere Kunststück dabei: daß es gerade Beyers oft berauschend und manchmal erschreckend suggestive Sprache ist, die den Prozeß der Selbst-Aufklärung im Leser anregt und über die Lektüre des Romans in Gang hält.
In seinem Debütroman seziert Marcel Beyer das Verschlungensein von Sprache und Körper, von Sprachkörper und Körpersprache. Und was dabei herauskam, waren "Anagramme eines menschlichen Körpers" (wie ein zentrales Kapitel lautet). Die Phantasie des "Einverleibens" nimmt Marcel Beyer ernst, und worüber er nicht schweigen kann, sondern in dreiundzwanzig Kapiteln sinnlich sprechen muß, ist der Wunsch nach totaler Annäherung an den anderen. "Wie Menschenfressers Lockruf, sie mir einverleiben durch mein Sprechen, mit meinen Worten ihre Worte hervorlocken..."

Über Beyers letzten Roman "Flughunde" schrieb Walter Hinck (FAZ): "So werden imaginäre Geschichtsdarstellung und Sprachreflexion in einen fesselnden erzählerischen Zusammenhang gebracht. Mit diesem Roman stellt sich Marcel Beyer endgültig in die erste Reihe unserer jungen Schriftsteller."

Marcel Beyer liest am Mittwoch, 3. Dezember 1997, 20.00 Uhr, Literaturcafé der Stadtbibliothek Essen, Hollestraße 3 (gegenüber dem Hauptbahnhof).

Marcel Beyer:
Vorsprechen, einreden, unterhalten, verschweigen

Eine Unterhaltung ist ein Gespräch. Unterhaltungsliteratur also ist Gesprächsliteratur, Angebot zum Gespräch. Der Autor eines Textes macht dieses Angebot, der Text macht es an den Leser, so wie jeder Text etwas erzählt. Mag sein, mancher Text mag nicht jedem etwas erzählen, sucht sich seine Gesprächspartner aus. Dem Autor steht dies nicht zu.
Anders gesagt: "Da halte ich einen echten Porno für eine weniger zweifelhafte Unterhaltung", sagt der Lehrer, als jemand zum Schuljahresende acht Millimeter Science Fiction mitgebracht hat. Wir sind elf Jahre alt, den Eltern wird diese Positionsbestimmung nicht überbracht. Schließlich genügt es zu deren Aufregung, daß der andere Lehrer sagt: "Ab einem bestimmten Alter kann ein Mensch alles lesen, gibt es keinen Text mehr, der zu schwierig wäre - es hängt allein davon ab, wie der Text vermittelt wird." Diese beiden Lehrer sind bis heute meine Lehrer geblieben.
Anders gesagt: Ich, der Autor, richte das Gesprächsangebot an jeden, der zuhören, antworten mag. Kein überheblich adressierter "Mann auf der Straße", keine "kleine Verkäuferin". Jeder ist gleichermaßen ernst zu nehmen, niemandem gegenüber wird Schwieriges "vereinfacht", also verschwiegen."

Marcel Beyer diskutiert Perspektiven zeitgenössischen Erzählens mit Prof. Erhard Schütz und Dr. Uwe Wittstock am Dienstag, 2. Dezember 1997, 19.00 Uhr, Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser

Erhard Schütz wurde 1946 geboren und lebt heute in Berlin. Lehrstuhl für neue deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin, Mitglied des Instituts für Kommunikationsgeschichte und angewandte Kulturwissenschaften an der Freien Universität Berlin.
Zu den Arbeitsschwerpunkten Erhard Schütz', der auch lange Zeit an der Universität Essen lehrte, gehören Literatur- und Mediengeschichte, Deutsche Literatur und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts, Literatur in Berlin, Kulturjournalismus und literarische Publizistik.

Erhard Schütz ist vielen im Revier als eloquenter und geschliffener Redner und Autor in Erinnerung, einer mit der Unbestechlichkeit des genauen Blicks für des Kaisers jeweils neueste Kleider.

Über die besten Bücher zum und aus dem Ruhrgebiet von Klaus, Rothmann, Thenior oder von der Grün schrieb er:
"Das ist, wenn man einen Nenner wagt, eher eine Literatur dazwischen, zwischen einzigartigem Ruf und Auflagenmassen, eine Literatur statt dessen mittendrin. Mittendrin im literarischen wie gesellschaftlichen Alltagsleben. Doch keine alltägliche Literatur. Sie unterscheidet sich nämlich vom üblichen Alltag (auch der Literatur), von den gedankenlosen Routinen und dem blicklosen Trott vor allem durch eine gesteigerte Aufmerksamkeit, durch den minutiösen, mikrologischen Blick, der allererst auch anderen die Augen öffnen kann für das, was vor- und vorangeht, was verharrt, bleibt und sicher ist, was unheimlich und verrückt, was beruhigend und aufregend ist im täglichen Leben, aus dem hinterrücks private Vergangenheit und öffentliche Geschichte hervorgehen..."

Prof. Erhard Schütz diskutiert Perspektiven zeitgenössischen Erzählens mit Dr. Uwe Wittstock und Marcel Beyer am 2. Dezember 1997, 19 Uhr, Gerhard-Mercator Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser

Erhard Schütz:
Renaissance oder Recycling? Vorläufige Sätze

"Sagen lassen sich die Menschen nichts, aber erzählen lassen sie sich alles". (Bernard von Brentano)
Um wiedergeboren zu werden, muß man zuvor gestorben sein. 'Erzählen' war aber nie tot. Der Wunsch danach bei den Lesenden sowieso nicht. Bei den Autoren hieß es zwischenzeitlich anders, Montieren oder Beschreiben z.B. Wer das nicht wollte, konnte Krimis, Phantasy, Reportagen oder überhaupt latein- und angloamerikanische Literatur lesen. Außerdem gab es stets einschlägige Gemeindeschwestern und Vereinskassierer. Ins Kino geht man sowieso. Vielleicht ist 'Erzählen' überhaupt nur der Deckname für Videoersatz: U-Bahn, Strand, Vorlesen statt Vorspiel.
Ist 'Erzählen' Lizenz zum Schwadronieren und Predigen? Singen oder Stammeln? Gibt es 'Erzählen' ohne Beschreibung und Reflexion?
Na ja. Alte Hüte.
Darum einstweilen drei Thesen:
1. 'Erzählen' ist das Eventmarketing des Buchbetriebs. (Für Kulturmanager und -kritiker)
2. 'Erzählen' ist rekomplizierende Reduktion von Komplexität. (Für Luhmanniacs)
3. 'Erzählen' ist unsere jeweils jüngste Archaik. (Für Ethnologen)

Uwe Wittstock wurde 1955 in Leipzig geboren, mit seinen Eltern übersiedelte er 1957 nach Bonn. Studierte ab dem Wintersemester 1975/76 Germanistik, Philosophie und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften. Lebt seit 1980 in Frankfurt am Main. Promotion 1987.
Von 1980 bis 1989 war er als Literaturredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung tätig. Seit 1989 verantwortlich für das Lektorat Neue deutschsprachige Literatur im S. Fischer Verlag und seit 1990 Mitherausgeber der Zeitschrift Neue Rundschau.
Uwe Wittstock publiziert Kritiken, Essays, Gespräche, Porträts in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, vor allem in der Süddeutschen Zeitung. 1988 wurde er für seine journalistischen Arbeiten mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet.
Uwe Wittstock gab zahlreiche Bücher heraus. Sein Buch "Leselust. Wie unterhaltsam ist die neue deutsche Literatur?" (München 1995) entfachte die Diskussion um deutschsprachiges Erzählen neu.

Gegen das branchenübliche Gerede von der Krise der deutschen Literatur setzt Wittstock darauf, "alte normative Vorstellungen beiseite zu räumen und die literarischen Spielräume zu erweitern". Experiment und Erzählen sind für ihn keine sich ausschließenden Verfahrensweisen in der Literatur, eher schon von Literaturwissenschaft und Feuilleton propagierte Schein-Gegensätze, ebenso wie Unterhaltung und Erkenntnisgewinn oder Sinnlichkeit und Vernunft. An den Werken von Sten Nadolny oder Ulrich Woelk macht Uwe Wittstock deutlich, daß auch in Deutschland erzählt werden kann, ohne hinter die (Post-)Moderne zurückzufallen. Es geht um einen "klugen Anschluß an Moderne und Tradition" es geht darum, mißtrauisch zu sein, "gegen jeden naiven Fortschrittsglauben - und damit gegen die inzwischen zur Konvention verkommene Vorstellung, die Kunst könne durch das Experiment, durch ständige formale Neuerungen kommende Wahrheiten antizipieren".

Dr. Uwe Wittstock diskutiert Perspektiven zeitgenössischen Erzählens mit Prof. Erhard Schütz und Marcel Beyer am Dienstag, 2. Dezember 1997, 19.00 Uhr, Gerhard-Mercator Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser

Uwe Wittstock:
Das Erzählen - nie war es so wertvoll wie heute

...Natürlich gibt es Bücher, die nichts anderes sind als ein Geflecht aus so prachtvoller Prosa, daß niemand ernsthaft auf die Idee kommt, nach dem Plot zu fragen. Aber neben solchen Werken steht heute ebenso wie in der Vergangenheit gleichberechtigt die alte Kunst des Erzählens. Und vielleicht ist diese Kunst - allen Kritikern zum Trotz - inzwischen sogar noch wichtiger geworden. Denn das Erzählen verschafft dem Leser Gelegenheit für die Zeit der Lektüre an der Vergangenheit und am Leben anderer teilzunehmen. Darin steckt ein Stück Humanität, das man nicht geringschätzen sollte und das vielleicht gerade heute, da die Desintegration und der Gedächtnisverlust unserer Gesellschaft augenscheinlich immer rascher voranschreitet, einen besonderen Wert darstellt. ...

Veranstaltungsübersicht (chronologisch)

  • Dienstag, 14. Oktober 1997, 19.00 Uhr: Michael Klaus und Theo Jörgensmann (Klarinette) lesen und spielen in der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser
  • Mittwoch, 15. Oktober 1997, 19.00 Uhr: Michael Klaus, Poetikvorlesung in der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser
  • Freitag, 17. Oktober 1997, 19.30 Uhr: Emine Sevgi Özdamar liest in der Gedenkhalle Schloß Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46
  • Dienstag, 21. Oktober 1997, 19.00 Uhr: Burkhard Spinnen liest in der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser
  • Mittwoch, 22. Oktober 1997, 19.30 Uhr: Gerhard Köpf liest im Foyer des Theaters Oberhausen, Ebertstraße 82
  • Dienstag, 28. Oktober 1997, 19.30 Uhr: Gerhard Köpf, Poetikvorlesung, Oberhausen, Elsa Brändström-Gymnasium, Christian-Steger-Straße 11
  • Mittwoch, 29. Oktober 1997, 20.00 Uhr: Ralf Rothmann liest in der Stadtbücherei Mülheim an der Ruhr, Friedrich-Ebert-Straße 47
  • Donnerstag, 30. Oktober, 19.30 Uhr: Ingo Schulze liest in der Buchhandlung Carlotta Althaus, Marktplatz 2, 45964 Gladbeck (Tel.: 02043/ 26811)
  • Dienstag, 4. November 1997, 19.00 Uhr: Katja Lange-Müller liest in der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser
  • Mittwoch, 5. November 1997, 19.00 Uhr: Katja Lange-Müller, Poetikvorlesung in der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser
  • Dienstag, 11. November 1997, 19.00 Uhr: H.P. Karr (alias Reinhard Jahn), Poetikvorlesung in der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser
  • Mittwoch, 12. November 1997, 20.00 Uhr: Karr & Wehner lesen in der Stadtbücherei Mülheim an der Ruhr, Friedrich-Ebert-Straße 47
  • Dienstag, 18.November 1997, 16.00 Uhr: Hanns-Josef Ortheil, Poetikvorlesung in der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser
  • Dienstag, 18. November 1997, 20.00 Uhr: Hanns-Josef Ortheil liest im Literaturcafé der Stadtbibliothek Essen, Hollestraße 3 (gegenüber dem Hauptbahnhof)
  • Mittwoch, 19. November 1997, 19.00 Uhr: Thomas Wörtche, Vortrag zu Erzählen und Kriminalliteratur, Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/ Wegweiser
  • Donnerstag, 20. November 1997, 20.00 Uhr: Anna Enquist liest in der Stadtbücherei Mülheim an der Ruhr, Friedrich-Ebert-Str. 47
  • Dienstag, 25. November 1997, 19.00 Uhr: Burkhard Spinnen, Poetikvorlesung in der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser
  • Mittwoch, 26. November 1997, 19.00 Uhr: Martin Hielscher spricht über seine Ansichten zu Perspektiven zeitgenössischen deutschsprachigen Erzählens, Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser
  • Freitag, 28. November 1997, 10.00 Uhr: Kerstin Hensel, Poetikvorlesung in der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser
  • Freitag, 28. November, 19.30 Uhr: Kerstin Hensel liest in der Buchhandlung Carlotta Althaus, Marktplatz 2, 45964 Gladbeck (Tel.: 02043/ 26811)
  • Dienstag, 2. Dezember 1997, 19.00 Uhr: Prof. Dr. Erhard Schütz diskutiert Perspektiven zeitgenössischen Erzählens mit Marcel Beyer und Dr. Uwe Wittstock in der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Lotharstraße 65, Raum LE 104 oder siehe Aushänge/Wegweiser
  • Mittwoch, 3. Dezember 1997, 20.00 Uhr: Marcel Beyer liest im Literaturcafé der Stadtbibliothek Essen, Hollestraße 3 (gegenüber dem Hauptbahnhof) 

DAS PROJEKTERGEBNIS:

Poetikvorlesungen und Vorträge zum Erzählen in den 90er-Jahren finden Sie hier.