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Polen erlesen

Ein Gemeinschaftsprojekt des Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe der Republik Polen und des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes NRW. Koordinatoren: Villa Decius (Krakau) und Polnisches Institut Düsseldorf

Literaturbüro Ruhr e.V. (Gladbeck) & Kultursekretariat NRW Gütersloh präsentieren 

POLEN ERLESEN 
(Stand: August 2000)

14 Städte stellen im Herbst 2000 Literatur, Kunst und Kultur aus Polen vor. Konzeption, Auswahl und inhaltliche Betreuung dieses Teilprojektes von Polen erlesen: Literaturbüro Ruhr e.V.

 


Im Jahr 2000 ist nicht nur die polnische Literatur ein gern gesehener Gast in Nordrhein-Westfalen

"Eine Frankfurter Buchmesse, die Polen zum Thema hat? Ein Blick in die Verlagsprogramme zeigt, dass dies eher eine kühne Phantasie ist", so Barbara Basting 1990 in dem Schweizer Kulturmagazin du. Zehn Jahre später wird die "kühne Phantasie" Wirklichkeit. Und noch mehr: Polen ist nicht nur Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse und Krakau Kulturstadt 2000, in Nordrhein-Westfalen findet mit POLEN ERLESEN auch eines der größten deutsch-polnischen Kulturprojekte der letzten Jahre statt.

POLEN ERLESEN – mit diesem Motto verbinden eine Vielzahl von Veranstaltern in NRW die Absicht, mehr von der herausragenden Qualität der polnischen Kunst und Kultur sichtbar zu machen. Sie verbinden damit aber auch die Hoffnung, dass viele Menschen sich anlässlich von POLEN ERLESEN die Kunst und Kultur Polens sozusagen live erschließen und so neugierig werden auf das moderne Polen und die Chancen einer kontinuierlicheren kulturellen Zusammenarbeit.

Eine besondere Rolle kommt dabei der zeitgenössischen polnischen Literatur zu. Weit über Emsdetten und Herford, Soest und Bergisch-Gladbach hinaus werden in NRW zwischen Aachen und Münster rund 250 Autorenlesungen, Ausstellungen und Theateraufführungen zu hören und zu sehen sein. Konzerte, Filme, Videos und Vorträge ergänzen das umfangreiche Literaturprogramm.

In diesem Rahmen veranstalten das Literaturbüro Ruhr e.V. und das Kultursekretariat NRW (Gütersloh) mit der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW eine facettenreiche Autorentournee mit über 35 spannenden Auftritten zu Neuerscheinungen, zu Exil- und Untergrundtexten der Vor-Wende-Zeit, zu Satire und Kinderliteratur, zur Lyrik und zur jungen frechen Autorenszene Polens.

Stars wie Slawomir Mrozek, Jerzy Pilch oder Maria Nurowska werden bei Abendveranstaltungen und Schullesungen ebenso zu hören sein wie der stille Lyriker Ryszard Krynicki, der Reporter und Erzähler Henryk Grynberg oder Dorota Terakowska mit ihren phantastischen Romanen für Jugendliche. Alle Lesungen werden von ausgewiesenen Kennerinnen und Übersetzern polnischer Literatur moderiert. PEN-Mitglied Henryk Bereska etwa erhielt viele Übersetzerpreise und die brandenburgische Journalistin Katarzyna Kaminska-Hoffmann leitet das Literaturbüro in Potsdam nahe der polnischen Grenze. Diese beiden und andere renommierte Kollegen werden jene Texte auch in deutscher Sprache vorstellen, die die polnischen Gäste zuvor in ihrer Muttersprache zu Gehör bringen. Und sie werden Gespräche eröffnen, von denen wir hoffen, dass Sie, die Besucherinnen und Besucher unserer Veranstaltungen, sich daran beteiligen werden.

Orte, Veranstalter und voraussichtliche Termine:

Orte/Veranstalter

Voraussichtl. Termine

Autorinnen/Autoren

 

 

 

Bottrop

06.09.

Niemczuk, Jerzy

Kulturzentrum

10.10.

Nurowska, Maria

 

07.09.

 

Taborska, Agnieszka

 

Coesfeld

13.10.

Nurowska, Maria

Bücherei

 

21. + 22.09.

 

Wilkon, Jozef

 

Dorsten

16.10.

Grynberg, Henryk

Forum d. VHS

21.11.

Krynicki, Ryszard

 

27.09.

Mrozek, Slawomir

 

07. + 08.09.

Niemczuk, Jerzy

 

18.09.

Terakowska, Dorota

 

Emsdetten

17.10.

Nurowska, Maria

Stadtbibliothek

 

 

 

Gladbeck

16.10.

Glowacki, Janusz

Stadtbücherei &

28.11.

Pilch, Jerzy

Literaturbüro

 

19.09.

 

Terakowska, Dorota

Grevenbroich

16.10.

Zagajewski, Adam

Kulturamt

 

 

 

Hattingen

04.09.

Nurowska, Maria

Altes Rathaus

 

 

 

Herne

17.10.

Glowacki, Janusz

Bücherei

24.10.

Huelle, Pawel

 

25.09.

 

Mrozek, Slawomir

Ratingen

12.10.

Nurowska, Maria

Stadtbücherei

 

 

Werne

07.09.

Nurowska, Maria

Stadtbücherei

 

Über die Autorinnen und Autoren:


Jerzy Niemczuk

Geb. 1948. Er ist Polonist, Schriftsteller, Dramatiker (über ein Dutzend Hörspiele, Theater- und Fernsehstücke). Auch als Trickfilmautor mit eigenen Texten für Kinder konnte er sich einen Namen machen. Er debütierte 1980 mit der Erzählung Pawel.

Er schreibt für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, mittlerweile ist er Träger nationaler und internationaler Literaturpreise und seine Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Susannchens Abenteuer (1995) ist ein amüsanter, phantastischer Roman, vom Autor selbst "abenteuerliche Geschichten für Mädchen" genannt. Wesentliche Vorzüge des Werkes sind die vergnügliche Atmosphäre, die dynamische Handlung mit unerwarteten Wendungen, der sprachliche und situative Humor mit Anspielungen auf die Gegenwart, der Ton einer spöttischen Groteske und die ungewöhnlichen Helden. Erzählung mit schrecklichem Titel (1997) heißt ein reizvoller, witziger Roman für Schulkinder. Seine Helden beziehen sich wie selbstverständlich auf die Welt des polnischen Volksglaubens. Der Roman ist zugleich als komische Familiengeschichte wie auch als Ritterromanze zu lesen.


Agniezka Taborska

Geb. 1961. Sie studierte Kunstgeschichte und Romanistik , arbeitet als Übersetzerin aus dem Englischen und Französischen. Bislang hat sie drei Kinderbücher in Deutschland herausgegeben, zwei wurden durch die Deutsche Akademie für Kinder-und Jugendbücher ausgezeichnet.

In der Himbeermarmelade (1996) ist ein hinterlistiges, spaßiges und absurdes Buch. Die Geschichte, die vom puren Spaß bestimmt wird, besitzt Elemente des Märchens, der Fantasy, des Surrealismus, des Anti-Kriegs-Romans und der geistreichen Kritik der Gegenwart. Die überraschende Fabel ist geschickt mit Ironie, Groteske und Parodie gespickt, mit Wurzeln, die zu Lewis Carrol und Edward Lear reichen sowie zur polnischen absurden Kinderlyrik.

Jozef Wilkon

Geb. 1930. Der Kunsthistoriker und Maler Josef Wilkon hat die Buchillustration, die Welt des Märchens und der Poesie, zu einem Hauptgebiet seines Schaffens gewählt. Wilkon ist Schöpfer von Illustrationen und graphischen Entwürfen für eine hohe Anzahl von Büchern für Kinder und Erwachsene, er illustrierte zahlreiche im Ausland erschienene Publikationen. Seine Vorstellungen sind geprägt von der polnischen Plakatkunst, die nach dem Krieg internationale Anerkennung fand. Ihre Klarheit, Kraft und Expressivität, ihre plakative Vereinfachung und gleichzeitig intellektuelle Überspitzung, die ins Sarkastische und Surreale gehen kann, ist beeindruckend.

Janusz Glowacki

Geb.1938. Er hat seinen ständigen Wohnort in New York, war allerdings in den 90er-Jahren häufig in Warschau zu Gast. Er hat sich als Autor von Kurzgeschichten, die sehr eindringlich die sozialen und kulturellen Verhältnisse der 60er- und 70er-Jahre beschreiben, einen Namen gemacht. Zynisch lächelnd betrachtet Glowacki die Hetzjagd nach materieller Bereicherung, nach billigem Plunder und Flitter und den Snobismus der unteren Mittelschicht, die zu dieser Zeit in Warschau entstanden. Dort sind auch die Kurzgeschichten The Nonsense Spinner (1968) und The New La-ba-da Dance (1970) angesiedelt, die dem jungen Autor zu ungewöhnlicher Popularität verhalfen.

In den frühen 70ern betätigte er sich in Polen als Schauspieler und Co-Autor an einigen vielbeachteten Filmproduktionen. Aus dieser Zeit datieren seine ersten Versuche als dramatischer Bühnenautor, die ihm einige Jahre später internationalen Erfolg brachten. Seine Stücke sind als realistische Dramen Beispiele für Glowackis einzigartige Mischung aus scharfer Beobachtungsgabe und einem ins Groteske neigenden Humor.

Wie viele polnische Künstler entschied sich Glowacki nach der Einführung des Kriegsrechtes in Polen für ein Leben im Exil. Der Durchbruch in den USA gelang dann mit Antigone in New York, zeitgenössisch in der puertorikanischen Anita. In New York bezeichnete der Theaterkritiker Jan Kott die Antigone als eines der drei bedeutendsten Werke polnischer Schriftsteller der Moderne und verglich die Bedeutung Glowackis mit der Slawomir Mrozeks und Tadeusz Rozewicz'.

In deutscher Sprache sind erschienen:

Bestrafter Ehebruch. Berlin: Henschel, 1974
Ich kann nicht klagen. Zürich: Unionsverlag, 1983

Adam Zagajewski

Geb. 1945 in Lemberg, aufgewachsen in Gleiwitz. Er studierte Psychologie und Philosophie. Von 1968 bis 1972 war er als Assistent am Gesellschaftswissenschaftlichen Institut der Berg-und Hüttenakademie. Seit 1973 ist er Mitglied des Schriftstellerverbandes, seit 1978 P.E.N.-Mitglied. 1979-80 war er Stipendiat des DAAD in Berlin, danach einige Monate in den USA. Heute lebt er in Paris und unterrichtet an der University of Houston, USA. Zagajewski ist Mitinitiator und wesentlicher Theoretiker der Neuen Welle in Polen – auch als "Generation 68" bezeichnet. Er ist einer der bedeutendsten polnischen Lyriker und Essayisten und gehört zur sog. Polnischen Schule der Poesie.

Zeitweilig mit Veröffentlichungsverbot belegt, publizierte er nach 1976 in der katholischen Zeitschrift Allgemeines Wochenblatt und redigierte die unzensierte Vierteljahreszeitschrift Zapis (Notiz). Er gehört zum Kreis der Bürgerrechtsbewegung KOR.

In deutscher Spracher erschienen:

Polen Staat im Schatten der Sowjetunion. Rowohlt, 1981
Das absolute Gehör. Unionsverlag, 1982
Der dünne Strich. Roman. Hanser, 1985
Solidarität und Einsamkeit. Essays. Hanser, 1986
Lachen und Zerstörung. Rospo, 1996
Mystik für Anfänger. Gedichte. Hanser, 1997

Ryszard Krynicki

Geb. 1943 in St. Valentin/Österreich im Lager Wimberg. Er studierte 1961-66 Polonistik in Posen. Ende der sechziger Jahre veröffentlichte er seine ersten beiden Gedichtbände. Neben Adam Zagajewski und Stanislaw Baranczak ist er der bedeutendste Lyriker der um 1945 geborenen Generation. Er gehörte zu den Vertretern der "Neuen Bewegung" oder "Neuen Welle", einer in den Jahren nach 1970 entstandenen lyrischen Protestbewegung, die den verordneten Welt- und Sprachbildern die Authentizität eines individuellen lyrischen Sprechens entgegenstellte. Zwischen 1976 und 1980 mit Druckverbot belegt, war Krynicki ab 1981 Redakteur der Solidarnosc in Posen. Für seine Gedichte erhielt er zahlreiche Preise, u. a. 1974 Preis der Dichter, 1976 Preis des Polnischen PEN, 1990 Jurzykowski Foundation Price New York, 1993 DAAD-Stipendium in Berlin. Krynicki übersetzt Celan ins Polnische.

Die Gedichte Krynickis reagieren lakonisch-direkt, unverblümt-bündig und sehr poetisch auf die polnische Geschichte des vergangenen Jahrzehnts, auf die Zeit des Kriegsrechts in Polen. Seine Lyrik der Solidarität will als Stimme des Gewissens, als niemals heilende "Wunde der Wahrheit", den Zeitgenossen unmißverständlich ansprechen – voller poetischer Empfindsamkeit und moralischer Entrüstung, darin geistesverwandt der Lyrik des großen polnischen Dichters Zbigniew Herbert.

In deutscher Sprache erschienen:

Um niemanden zu verletzen. Gedichte aus Notizbüchern. Edition Tiessen, 1991
Wunde der Wahrheit. Gedichte. Suhrkamp, 1991

Pawel Huelle

Geb. 1957. Er studierte in Danzig Literaturwissenschaft und arbeitete als Journalist und Philosophie-Dozent an der Danziger Medizinischen Akademie und war bis 1995 Direktor des Polnischen Fernsehens in Danzig. Bekannt wurde er durch den 1987 veröffentlichten Roman Weiser Dawidek, der in acht Sprachen übersetzt wurde. Er schreibt Lyrik, Romane, Erzählungen, Theaterstücke und erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

Danzig ist der Schauplatz vieler Erzählungen des Autors und Thema zahlreicher Gedichte. Auch der Roman Weiser Dawidek ist die Geschichte eines weit zurückliegenden Sommers in Danzig, als die Jugendlichen in den Ferien nicht baden dürfen, weil die Bucht mit toten Fischen verseucht ist und sie statt dessen zwischen verschütteten Schützengräben und gesprengten Brücken Krieg spielen. Dawid Weiser, zärtlich und spöttisch Dawidek genannt, führt ihnen schauerlich schöne Explosionen vor und veranstaltet mit ihnen gefährliche Schießübungen.

Der Roman läßt ein Stück Zeitgeschichte, die Jahrzehnte zwischen Krieg und Solidarnosc, lebendig werden. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich, den Leser in seinen Bann ziehend, eine mit außergewöhnlicher Sprachkraft erzählte Geschichte, "die in der Tradition der Danziger Trilogie von Günter Grass steht", so urteilt überschwenglich die polnische Literaturkritik.

Ein allumfassendes, allgemeineuropäisches Interesse des Schriftstellers und seine geistesgeschichtlichen Interessen führt die Erzählsammlung Verschollene Kapitel anschaulich vor Augen, auch seine Lyrik ist davon geprägt. "Das Vergnügen, diese Gedichte zu lesen, liegt in der Möglichkeit, sie auf die Kultur, die Philosophie, die Literatur zu beziehen. Der Dichter spricht sich für eine Bejahung der Welt aus, teilweise aus Mangel an Alternativen."

In deutscher Sprache erschienen:

Weiser Dawidek. Roman. Frankfurt 1990
Schnecken, Pfützen, Regen. Erzählungen, Frankfurt, 1992
Verschollene Kapitel, 1999

Jerzy Pilch

Geb. 1952 in Wisla; stammt aus einer protestantischen Familie. Er studierte Polonistik in Krakau, arbeitete dort anschließend als Assistent. Während des Kriegsrechts in Polen schrieb Pilch für die Exil- und. Untergrundpresse, gründete mit anderen die Gesprochene Zeitschrift Naglos in Krakau. Pilch arbeitet für die Feuilletons Krakauer und Warschauer Wochen- und Tageszeitungen. Die anderen Lüste ist eine herrliche Satire auf das verkorkste Ehe- und Liebesleben eines Tierarztes im protestantischen Teschener Ländchen.

In Polen erschien 1999 Der unwiederbringbare Verlust der Linkshändigkeit. Humor und Sarkasmus, erhellendes Paradox und Groteske sind die besonderen Merkmale der autobiographischen Prosa Pilchs. In seinem neuesten Buch, einer Sammlung von Erzählskizzen und Feuilletons, porträtiert Pilch die Vielfalt des heutigen Polens, verbindet ironisches Sittenbild der Gegenwart mit nostalgischem Erinnern an seine Kindheit und Jugend.

Von Pilch ist verfilmt worden: Verzeichnis der Ehebrecherinnen

In deutscher Sprache erschienen:

Bekenntnisse eines Dichters heimlicher erotischer Literatur. Erzählungen. London, Exilverlag Puls, 1988
Index adulteratum. Reiseprosa. Fischer, 1994
Die anderen Lüste, erscheint im Herbst 1999

Slawomir Mrozek

Geb. 1930. Er lebte in Paris, den USA, Deutschland und Mexiko. Er ist Bühnenautor, Satiriker und ein Meister der Kurzgeschichten. Seit 1997 veröffentlicht es Karikaturen und Kolumnen in Polens größter Tageszeitung. Er ist vermutlich der im In- und Ausland meistaufgeführte polnische Dramatiker und über Jahre hinweg war er neben Lem der bekannteste polnische Schriftsteller. Mrozek begann mit der Veröffentlichung seiner Karikaturen im Jahr 1950, seine Satiren beschäftigen sich sowohl mit den Absurditäten des Lebens im Kommunismus wie auch mit den banalen postromantischen Stereotypen polnischen Denkens. Besonders unsinnige Alltagssituationen nennt man in Polen auch: "ein echter Mrozek". Der Autor benutzt die Mittel der Übertreibung bis ins Grotesk-Absurde mit einem unerschütterlichen Sinn für Komik. Er seziert sowohl die bedrückende Realität eines halb-totalitären Staates wie auch die zwischenmenschlichen Verstrickungen und Spiele, in die Menschen sich verfangen – gewöhnlich mit der Absicht, andere zu manipulieren.

In deutscher Sprache erschienen (Auswahl):

Der Elefant. Berlin, Henssel, 1960
Hochzeit in Atomweiler. Berlin, Henschel 1961
Emigranten. Berlin. Henschel, 1975
Das Leben ist schwer. München, dtv 1985
Zabawa. Satire in lustloser Zeit. Frankfurt, Suhrkamp, 1992

Maria Nurowska

Geb. 1944. Sie entstammt einer polnischen-belorussischen Familie; ihre Kindheitssprache war Russisch. Sie studierte in Warschau polnische Philologie und Slawische Literatur. Erste Kurzgeschichten erschienen 1974. Nurowska schrieb zahlreiche Romane, Erzählungen, Kinderbücher, auch Hörspiele und Drehbücher. Nurowskas Werk wird vielfach als Frauenliteratur gekennzeichnet. Ihre Erzählfiguren sind Frauen, die von extremen, oft auch krankhaften Emotionen geleitet werden. Sie greift auf die Formen des Melodrams zurück, um psychologische Skizzen ihrer Figuren zu schaffen oder um Konflikte zwischen ihrer Protagonistin und der Außenwelt aufzuzeigen. Sie schreibt sowohl historische als auch Romane mit modernen Schauplätzen. Nurowska schreibt mit leichter Feder, die oftmals einen Anstrich sanfter Ironie hat. Sie ist zur Zeit eine der populärsten Schriftstellerinnen in Polen.

In Deutsch erschienen:

Spanische Augen. Roman. Fischer Taschenbuch, 1996
Briefe der Liebe. Roman. Fischer Taschenbuch, 1998
Ein anderes Leben gibt es nicht. Roman. Fischer Taschenbuch, 1997
Postscriptum für Anna und Miriam. Roman. S. Fischer, 1994
Ehespiele. Roman. S. Fischer, 1995
Jenseits ist der Tod. Roman. S. Fischer, 1997
Der russische Geliebte. Roman. Scherz Verlag, 1998
Wie ein Baum ohne Schatten. Roman. Fretz&Wasmuth, 1999

Henryk Grynberg

Geb. 1936. Er studierte in Polen Journalismus, emigrierte 1967 in die USA. In Los Angeles studierte er Slawistik. Zahlreiche Publikationen, Prosa und Lyrik sind in den letzten Jahren erschienen.

Sein Erzählband Drohobycz, Drohobycz erscheint 2000 auf deutsch. Wie bei Krall sind es literarische Reportagen, die vor allem auch das Trauma der Überlebenden thematisieren. In Kinder Zions beschreibt er jüdische Kinderschicksale in Polen. Grynberg wendet sich gegen die verallgemeinernde These einer besonders aktiven Beteiligung der Polen am Holocaust.

In deutscher Sprache erschienen:

Kinder Zions. Reclam Leipzig, 1995