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3.11.16
Heute! 11.11., 19.30 Uhr, 45964 Gladbeck, Bülser Str. 38: Verleihung des Literaturpreises Ruhr im Martin Luther Forum Ruhr

Hauptpreis des Literaturpreises Ruhr geht an den Lyriker Jürgen Brôcan aus Dortmund / Förderpreise für Sabine Vieweg und Verena von Plüskow aus Duisburg und Martin Kasch aus Köln / Regionalverband Ruhr, Literaturbüro Ruhr und Rotary Club Essen vergeben insgesamt 17.665 Euro Preissumme.

Die öffentliche Preisverleihung findet statt am 11. November 2016 ab 19.30 Uhr im Martin Luther Forum Ruhr in Gladbeck, Bülser Str. 38, 45964 Gladbeck.

Der Literaturpreis Ruhr wird jährlich vom Regionalverband Ruhr (RVR) vergeben und vom Literaturbüro Ruhr organisatorisch und konzeptionell betreut.
Verbindliche Anmeldungen zur Preisverleihung richten Sie bitte bis zum 7.11.2016 an das Literaturbüro Ruhr, per Mail unter verena.geiger(at)stadt-gladbeck.de oder telefonisch unter 02043/99 26 44.

Metropole Ruhr. Der Lyriker, Essayist und Übersetzer Jürgen Brôcan erhält den mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreis Ruhr. Seine Gedichte handeln von Schönheiten, die man leicht übersieht, von subtilen Wahrnehmungen und Erinnerungen. Nicht weniger preiswürdig sind seine Essays zum Ruhrgebiet und seiner Geschichte sowie sein editorisches und übersetzerisches Werk, u. a. mit Übertragungen von Werken Walt Whitmans und Nathaniel Hawthornes ins Deutsche.

Der Literaturpreis Ruhr wird 2016 zum 31. Mal verliehen. Zu den Preisträgern gehörten bisher u. a. Liselotte Rauner und Jürgen Lodemann, Ralf Rothmann und Marion Poschmann, Frank Goosen und Fritz Eckenga.

Mit dem Förderpreis des Literaturpreises Ruhr werden Sabine Vieweg (Duisburg) für ihre Erzählung „Malena“ und Martin Kasch (Köln) für seinen Text „Ein Rest Refrain“ ausgezeichnet. Die Jury wählte die beiden Beiträge aus 181 Einsendungen zum Wettbewerbsthema „Musikgeschichten“ aus. Der Förderpreis ist mit je 2.555 Euro dotiert.

In diesem Jahr beteiligt sich der Rotary Club Essen zum dritten Mal am Literaturpreis Ruhr und stiftet einen Preis für den schriftstellerischen Nachwuchs, er geht an Verena von Plüskow (Duisburg) für ihren Wettbewerbsbeitrag „Der Ausflug“.

Zu den Preisträgerinnen und Preisträgern:

Jürgen Brôcan, geb. 1965 in Göttingen, lebt seit 2001 in Dortmund. Nach dem Studium der Germanistik und Europäischen Ethnologie entschloss er sich, als freier Schriftsteller zu arbeiten. Er hat zahlreiche Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen vorgelegt, die von der Kritik gefeiert wurden, u.a. zu Walt Whitman, Nathaniel Hawthorne, John Muir und Marianne Moore.

Gegenwärtig überträgt er eine dreibändige Auswahl der Tagebücher von Ralph Waldo Emerson. Jürgen Brôcan ist außerdem Literaturkritiker, v. a. bei der NZZ und auf fixpoetry.com, Herausgeber und Verleger der edition offenes feld.

Zuletzt erschienen von ihm die Gedichtbände „Antidot“ (2012), „Holzäpfel“ (2015), „Schädelflüchter“ (2015) und „hymnenrauh“ (2016). Brôcans Arbeiten wurden u. a. mit Stipendien der Stiftung Niedersachsen, der Kunststiftung NRW und dem Deutschen Literaturfonds ausgezeichnet. 2010 erhielt er den Paul-Scheerbart-Preis für die Übersetzung von Whitmans „Grasblättern“.

Sabine Vieweg aus Duisburg (geb. 1955) arbeitete nach dem Studium der Sozialarbeit als Kundenbetreuerin bei einer Bank. Sie verfasst Kindergeschichten ebenso wie Erzählungen für Erwachsene und arbeitet derzeit an einem Romanprojekt über die Entstehung des Modern Dance und der Tanztherapie.
Ihre Kurzgeschichte „Malena“ handelt von einer tanzbegeisterten Frau, die an einem Tangokurs teilnimmt und ihre enttäuschenden Erlebnisse mit verschiedenen Tanzpartnern reflektiert.  Sie gerät in eine kurze, aber folgenlose Romanze mit einem wirklich guten Tänzer, der sie verzaubert - aber es gibt kein Wiedersehen. Die raffinierte Erzählung erhält ihren besonderen Reiz durch Zitate aus dem berühmten argentinischen Tangolied „Malena“, mit denen die Situation der Erzählerin gespiegelt und kommentiert wird.

Martin Kasch aus Köln (geb. 1978) wuchs im Saarland auf und studierte in Köln und Madrid. Aktuell unterrichtet er Spanisch und Deutsch am Georg-Büchner-Gymnasium in Köln sowie spanische und hispano-amerikanische Literatur an der Universität zu Köln.
Im Mittelpunkt der melancholischen Kurzgeschichte „Ein Rest Refrain“ stehen Santi und Paz, ein spanisches Migrantenpaar, das in Duisburg-Marxloh beobachtet, wie in einem Entsorgungscontainer die Habseligkeiten seines verstorbenen Mitbewohners Juan landen, den man tot in seiner Wohnung gefunden hat. Juans Gitarre, auf der er immer ein Lied von Serrat gespielt hat, das zum Lied der spanischen Straßenbahner wurde, bleibt jedoch unangetastet vor dem Container stehen. Am nächsten Tag beschließt Paz, ihre Wohnung zu verlassen, aber außer einem „Rest Refrain“ nichts mitzunehmen. Mit einigen wenigen Zitaten aus Serrats Lied gelingt es Martin Kasch, die Trauer, den Schmerz und die Erinnerungen der Spanier eindrucksvoll darzustellen.

Verena von Plüskow aus Duisburg (geb. 1977) wuchs im Bergischen auf, studierte Germanistik und BWL in Bonn und St. Andrews, arbeitete an der Uni Bonn und bei verschiedenen Verlagen. Heute lebt sie wieder im Ruhrgebiet als freie Sachbuchlektorin und PR-Redakteurin in Duisburg. Der Wettbewerbsbeitrag „Der Ausflug“ ist ihr literarisches Debüt.
Die Erzählung handelt von den Erlebnissen einer greisen Dame, die sich trotz zahlreicher Gebrechen aufmacht, um einen wichtigen Einkauf zu erledigen. Ein MP3-Player gegen ihren Tinnitus ist ihr dabei ein unersetzlicher Begleiter. Auf ihm hört sie den romantischen Liederzyklus „Das Jahr“, dessen Monatslieder jeweils von der Autorin geschickt in Beziehung zu den Stationen im Einkaufszentrum gesetzt werden. Nur das Dezember-Lied gefällt der Seniorin nicht, weil sie - euphorisch gestimmt - noch nicht an das Ende denken möchte, sondern stattdessen einen Cappuccino genießen will. Die ruhige, verhaltene Erzählweise ist mit sanfter Ironie durchsetzt und passt wie auch der originelle Schluss ausgezeichnet zur Hauptfigur.