Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gäste,
 
seit zwei Jahrzehnten waren und sind Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus der ganzen Welt auf Einladung unseres Literaturbüros zu Gast an der Ruhr. Zuletzt etwa der Moskauer Viktor Jerofejew, der Amsterdam-New Yorker Arnon Grünberg oder Büchner-Preisträger Oskar Pastior und der Schwede Lars Gustafsson.
Unser diesjähriges Literaturprojekt
Die Stadt von unten – La ville d’en bas beschäftigt sich erneut intensiv mit Blicken aus Städten und auf Städte und erstmals mit literarischen Visionen frankophoner Autoren zu Vor-, Provinz- und Kleinstädten, zu Metropolen, ihren Banlieues oder Zentren der Macht, ihrer Vergangenheit und Gegenwart. Wir hören reale Autoren- und fiktive Figuren-Stimmen aus Paris, aber auch aus Arras, Brüssel, Tanger, Algier, Tokio, Tel Aviv ... oder kleineren Nestern, unbekannten Kaffs. Wir lassen uns en gros erzählen von ebenso abweisenden wie märchenhaften Hauptstädten oder en detail von der Festung Europa.
Den Büchern und Figuren unserer Gäste gemeinsam ist der Außenseiter-Blick. Immigranten und Underdogs, Abgestürzte, Ausgegrenzte oder die scheiternden Mitläufer des großen Geldes kommen ebenso zur Sprache wie Angehörige der ehemaligen Kolonien, z. B. neukaledonische Kanaken (d. h.: Menschen) in Daeninckx’ Erzählung Reise eines Menschenfressers nach Paris. Und Cécile Wajsbrot lässt die Protagonistin ihres Romans Der Verrat über Faubourg St. Germain sagen: „In diesem Stadtviertel herrscht eine eigenartige Ruhe, etwas, das seit langer Zeit, seit Jahrhunderten Bestand hatte, eine von der Geschichte erfüllte und auf jener Sicherheit gründende Ruhe, die man mit der Zeit bekommt, wenn die Zeit am Bestehenden festhält. (...) jede Hausnummer hämmerte ihr ins Bewußtsein, daß sie auch nicht im entferntesten in der Lage wäre, an dieser Gesellschaft teilzuhaben, die in dieser Stadt den Lauf der Dinge bestimmte. ... Es gab ein Zentrum und eine Peripherie und was auch immer sie tat, was auch immer geschah, die anderen waren im Zentrum und sie an der Peripherie.”
So öffnet sich das Thema „La ville d’en bas” zu „La vie d’en bas”, das Leben von unten und damit eben zugleich von außen gesehen.

Im Rahmen des Projektes Die Stadt von unten – La ville d’en bas werden wir mit einer Summe von ,nur’ 18.500 Euro wieder ein international besetztes Projekt mit spannenden Autoren, Übersetzern und Moderatoren auf die Bühnen bringen.
Vielleicht können wir mit unserem Projekt dazu beitragen, das Ruhrgebiet beim Aufbau der Kulturhauptstadt 2010 zu unterstützen.

Das Literaturbüro Ruhr fördert gern, was fordert. Das Publikum weiß diese Qualität längst zu schätzen, es hungert geradezu nach geistreichen und spannenden (Literatur-)Veranstaltungen. Zu unseren Gesprächslesungen jedenfalls kamen und kommen gar nicht so selten bis zu 500 Gäste. Empfehlen Sie bitte unser Programm Ihren Freunden und Freundinnen, Ihren Kollegen und Familien. Das Programmheft gibt’s ausführlich auch unter www.literaturbuero-ruhr.de.

Gerd Herholz
   
www.literaturbuero-ruhr.de & tel. 0 20 43 - 99 26 44